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Quercetin: Extrakt oder Wirkstoff – und was Rutin damit zu tun hat

Quercetin ist eines der bekanntesten Flavonoide – und ein Musterbeispiel dafür, wie unterschiedlich „500 mg“ gemeint sein können. Zwei Fragen entscheiden: Meint die Zahl den Extrakt oder den Stoff selbst? Und liegt das Quercetin frei vor oder zuckergebunden?

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Was Quercetin ist

Quercetin gehört zur Gruppe der Flavonole, einer Untergruppe der Flavonoide. Diese Pflanzenstoffe geben Blüten und Früchten ihre Farbe und gehören zu den am besten untersuchten sekundären Pflanzenstoffen überhaupt.

In der Ernährung kommt Quercetin breit vor, allerdings in sehr unterschiedlicher Dichte:

Lebensmittel Quercetin (Richtwert je 100 g)
Kapern mehrere hundert Milligramm
Zwiebeln, besonders rote rund 20–50 mg
Grünkohl, Brokkoli rund 5–10 mg
Äpfel mit Schale rund 4 mg
Schwarzer Tee, Aufguss geringe Mengen

Zwei Beobachtungen dazu: Quercetin sitzt bei Äpfeln und Zwiebeln überwiegend in den äußeren Schichten – Schälen entfernt einen erheblichen Teil. Und die Mengen aus der Ernährung liegen in einer ganz anderen Größenordnung als die in Präparaten üblichen 500 mg.

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Woher der Rohstoff stammt

Für Nahrungsergänzungsmittel wird Quercetin nicht aus Zwiebeln gewonnen – das wäre unwirtschaftlich. Die übliche Quelle sind die Blütenknospen des Japanischen Schnurbaums (Styphnolobium japonicum, früher Sophora japonica).

Diese Knospen sind außergewöhnlich reich an Flavonoiden, weshalb sie seit Langem als Rohstoffquelle dienen – unter anderem auch für Rutin.

Auf gut deklarierten Produkten steht diese Herkunft. Sie ist zugleich die Antwort auf die Frage, warum ein Quercetinprodukt einen Pflanzennamen trägt, der mit Quercetin auf den ersten Blick nichts zu tun hat.

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Keine zugelassene Angabe

Für Quercetin und für Bioflavonoide allgemein ist in der Europäischen Union keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Weder zu Immunsystem, Zellschutz, Histamin, Atemwegen noch zu Entzündungen – letzteres wäre ohnehin krankheitsbezogen und damit generell unzulässig.

Das ist besonders relevant, weil Quercetin häufig in Immunprodukten auftaucht. Dort trägt die Wirkaussage stets ein zugesetzter Nährstoff – meist Vitamin C oder Zink – und nie das Quercetin selbst.

Kurz gesagt: Steht auf einem Quercetinprodukt eine Wirkaussage, gehört sie nicht zum Quercetin. Ein Blick in die Nährwerttabelle zeigt, welcher Nährstoff sie trägt – und ob überhaupt einer enthalten ist.

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Die zweite Zahl: Extrakt oder Wirkstoff

„500 mg Schnurbaumextrakt“ ist etwas anderes als „500 mg Quercetin“. Bei einem hoch gezogenen Extrakt liegen beide Zahlen nah beieinander – 510 mg Extrakt mit 500 mg Quercetin entsprechen rund 98 Prozent. Bei schwächeren Extrakten klaffen sie weit auseinander.

Angabe Quercetin bei 500 mg Extrakt
ohne Standardisierung nicht bewertbar
50 Prozent 250 mg
95 bis 98 Prozent 475 bis 490 mg

Vergleichbar ist damit nur die ausdrückliche Quercetinangabe – nicht die Extraktmenge und erst recht nicht eine Sammelangabe wie „Bioflavonoide“.

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Aglykon oder Glykosid – die Sache mit dem Rutin

Der zweite Unterschied ist der feinere und wird noch häufiger übersehen. Quercetin kommt in Pflanzen überwiegend zuckergebunden vor – als sogenanntes Glykosid. Die bekannteste dieser Verbindungen ist Rutin, chemisch ein Quercetin-Rutinosid.

Bezeichnung Was es ist Auf dem Etikett
Quercetin (Aglykon) die zuckerfreie Form „Quercetin“
Rutin Quercetin mit Rutinose „Rutin“ – andere Substanz
Isoquercetin Quercetin mit Glucose „Isoquercetin“
Bioflavonoide Sammelbegriff sagt über Quercetin nichts aus

Der angehängte Zucker wiegt mit. 500 mg Rutin enthalten deshalb weniger Quercetin-Grundgerüst als 500 mg reines Quercetin – es ist dasselbe Prinzip wie beim elementaren Anteil von Mineralstoffverbindungen, nur bei einem Pflanzenstoff.

In Präparaten üblich ist die freie Form, also das Aglykon. Wer Rutin kauft, kauft eine verwandte, aber andere Substanz.

Quercetin 500 mg Kapseln von REVIGENA
510 MG EXTRAKT – DAVON 500 MG QUERCETIN

Beide Zahlen deklariert, das entspricht rund 98 Prozent – der obere Rand des Marktes. Aus Blütenknospen des Japanischen Schnurbaums, eine Kapsel täglich, zwei Zutaten insgesamt.

Quercetin 500 mg

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Einnahme und Löslichkeit

Quercetin ist ausgesprochen schlecht wasserlöslich. Daraus ergeben sich zwei praktische Punkte:

  • Zu einer Mahlzeit mit etwas Fett einnehmen – sinnvoller als auf nüchternen Magen.
  • Abstand zu eisenhaltigen Präparaten. Flavonoide können die Eisenaufnahme beeinträchtigen, aus demselben Grund wie Kaffee und schwarzer Tee. Ein bis zwei Stunden genügen.

Manche Produkte kombinieren Quercetin mit Vitamin C. Der sachliche Grund dafür liegt weniger in einer Wechselwirkung als darin, dass Vitamin C zugelassene Angaben trägt – und Quercetin eben nicht.

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Wann Vorsicht geboten ist

Flavonoide können in den Abbau von Arzneimitteln eingreifen – ähnlich wie es von Grapefruiterzeugnissen bekannt ist. Bei konzentrierten Präparaten ist das relevanter als bei Zwiebeln im Salat.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Anwendung deshalb vorher ärztlich abklären. Nicht vorgesehen sind Quercetinpräparate in aller Regel für Kinder, Schwangere und Stillende.

Wichtig: Nicht für Kinder, Schwangere und Stillende geeignet. Quercetin kann den Abbau bestimmter Arzneimittel beeinflussen – bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.

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Häufige Fragen zu Quercetin

Woraus wird Quercetin gewonnen?
Überwiegend aus den Blütenknospen des Japanischen Schnurbaums – nicht aus Zwiebeln, obwohl diese eine gute Nahrungsquelle sind.

Was ist der Unterschied zwischen Quercetin und Rutin?
Rutin ist Quercetin mit angehängtem Zucker. Der Zucker wiegt mit, weshalb 500 mg Rutin weniger Quercetin-Grundgerüst enthalten als 500 mg reines Quercetin.

Was bedeutet Aglykon?
Die zuckerfreie Form eines Pflanzenstoffs. In Quercetinpräparaten ist das die übliche Variante.

Gibt es zugelassene Wirkaussagen?
Nein, weder für Quercetin noch für Bioflavonoide allgemein.

Wann nimmt man Quercetin ein?
Zu einer Mahlzeit mit etwas Fett, mit zeitlichem Abstand zu Eisenpräparaten.

Was bedeutet „Bioflavonoide“ auf dem Etikett?
Ein Sammelbegriff für eine ganze Stoffgruppe. Über den Quercetingehalt sagt er nichts aus.

Sollte man Äpfel schälen?
Für den Flavonoidgehalt nicht – Quercetin sitzt überwiegend in den äußeren Schichten.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Angaben zu Lebensmittelgehalten sind Richtwerte.

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