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Ginseng: Warum nicht alles Ginseng ist, was so heißt

Bei Ginseng führen drei Fragen zum Ziel: Ist es überhaupt echter Ginseng, wie wurde er verarbeitet – und wie viel Ginsenoside stecken drin? Alle drei lassen sich am Etikett beantworten, wenn die Angaben vollständig sind. Sie sind es selten.

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Was Ginseng ist

Ginseng ist die Wurzel einer mehrjährigen Pflanze aus der Familie der Efeugewächse. Verwendet wird ausschließlich die Wurzel – und zwar erst nach mehreren Jahren Wachstum.

Das ist der Grund für den Preis: Ginsengwurzeln werden üblicherweise nach vier bis sechs Jahren geerntet. Die Anbaufläche ist danach für lange Zeit nicht erneut nutzbar, weil die Pflanze dem Boden viel entzieht. Ein Ginsengfeld ist damit eine Investition über ein halbes Jahrzehnt – anders als bei Kräutern, die mehrmals jährlich geschnitten werden.

In der ostasiatischen Tradition wird Ginseng seit über zweitausend Jahren verwendet. Der Gattungsname Panax leitet sich vom griechischen „panakeia“ ab, dem Allheilmittel – eine Namensgebung des 19. Jahrhunderts, die heute mehr über die Erwartungen der Zeit aussagt als über die Pflanze.

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Echter Ginseng und die Namensvettern

Botanisch echter Ginseng ist Panax ginseng – häufig mit dem Zusatz „C. A. Meyer“ gekennzeichnet, benannt nach dem Botaniker Carl Anton von Meyer, der die Art beschrieben hat. Diese Angabe ist kein Zierrat, sondern die Artbestimmung.

Unter dem Namen Ginseng werden mehrere Pflanzen verkauft, die botanisch nichts damit zu tun haben:

Handelsname Botanisch Ginsenoside?
Koreanischer, roter oder asiatischer Ginseng Panax ginseng ja
Amerikanischer Ginseng Panax quinquefolius ja, anderes Muster
Sibirischer Ginseng, Taigawurzel Eleutherococcus senticosus nein
Indischer Ginseng Withania somnifera (Ashwagandha) nein
Brasilianischer Ginseng Pfaffia paniculata nein

Sibirischer, indischer und brasilianischer Ginseng sind eigene Pflanzen mit eigenem Stoffspektrum. Sie enthalten keine Ginsenoside – der Name ist reine Handelsbezeichnung und stammt aus der Ähnlichkeit der traditionellen Verwendung, nicht aus der Botanik.

Praktisch heißt das: Wer Ginseng kaufen will, sucht nach dem botanischen Namen. Steht dort Panax, handelt es sich um echten Ginseng. Steht dort etwas anderes, kauft man eine andere Pflanze – was völlig in Ordnung sein kann, nur eben nicht dasselbe ist.

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Weißer und roter Ginseng – dieselbe Pflanze

Ein häufiges Missverständnis: Weißer und roter Ginseng sind keine verschiedenen Arten. Sie stammen von derselben Pflanze und unterscheiden sich ausschließlich in der Verarbeitung nach der Ernte.

Merkmal Weißer Ginseng Roter Ginseng
Verarbeitung geschält und getrocknet ungeschält gedämpft, dann getrocknet
Farbe hellgelb bis weißlich rötlich-braun
Ginsenosidmuster ursprünglich durch Hitze verändert
Haltbarkeit geringer höher
Preis niedriger höher

Beim Dämpfen verändert sich ein Teil der Ginsenoside chemisch – aus einigen entstehen andere. Das rote Verfahren ist deshalb nicht nur eine Konservierung, sondern verändert die Zusammensetzung.

Eine zugelassene Aussage lässt sich daraus nicht ableiten. Aber die Angabe gehört in jede vollständige Produktbeschreibung – und wer sie weglässt, lässt eine der drei Kernangaben offen.

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Die zweite Zahl: Ginsenoside

Für Ginseng ist in der Europäischen Union keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen – weder zu Energie, Konzentration, Stress noch zu Leistungsfähigkeit. Vergleichbar sind Produkte deshalb ausschließlich über die Deklaration.

Dort ist der Ginsenosidgehalt die entscheidende Größe. Ginsenoside sind die Leitsubstanzen der Ginsengwurzel – eine Gruppe von über dreissig verwandten Verbindungen, die mit Kürzeln wie Rb1, Rg1 oder Re bezeichnet werden.

Extrakte werden üblicherweise auf den Gesamtgehalt standardisiert. Übliche Werte reichen von wenigen Prozent bis rund zwanzig:

Angabe auf der Packung Ginsenoside bei 480 mg Extrakt
ohne Standardisierung nicht bewertbar
4 Prozent rund 19 mg
10 Prozent 48 mg
20 Prozent 96 mg

Der Unterschied zwischen einem 4- und einem 20-Prozent-Extrakt beträgt das Fünffache – bei identischer Zahl auf der Vorderseite. „480 mg Ginsengextrakt“ allein sagt daher nichts.

So liest du das Etikett: Drei Angaben gehören zusammen – die botanische Art (Panax ginseng), die Verarbeitung (weiß oder rot) und der Ginsenosidgehalt in Milligramm oder Prozent. Fehlt eine davon, ist das Produkt nicht vollständig beschrieben.

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Extrakt oder Wurzelpulver

Wie bei allen Pflanzenprodukten gibt es zwei Konzepte, die nebeneinander existieren.

Wurzelpulver ist gemahlene, getrocknete Wurzel. Der Ginsenosidgehalt entspricht dem der Pflanze und liegt typischerweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Für eine nennenswerte Menge braucht es entsprechend viel Pulver.

Extrakt konzentriert die Leitstoffe. Ein 20-Prozent-Extrakt enthält die Ginsenoside in einer Dichte, die die Wurzel selbst nie erreicht – dafür fehlen die übrigen Bestandteile, die bei der Extraktion zurückbleiben.

Keines der beiden ist grundsätzlich besser. Entscheidend ist, dass auf der Packung steht, welches von beidem man kauft – und bei Extrakten zusätzlich, wie stark er gezogen ist.

Roter Panax Ginseng 480 mg Kapseln von REVIGENA
480 MG – DAVON 96 MG GINSENOSIDE

Alle drei Angaben deklariert: Panax ginseng C. A. Meyer, rote Verarbeitung und ein 20-Prozent-Extrakt – der obere Rand des Üblichen. Zwei Zutaten insgesamt, auf zwei Kapseln verteilt, zu einer Mahlzeit einzunehmen.

Roter Panax Ginseng 480 mg

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Einnahme und Anwendungsdauer

  • Zu einer Mahlzeit. So steht es auf den meisten Produkten und so ist es üblicherweise am verträglichsten.
  • Eher morgens oder mittags. Traditionell wird Ginseng nicht am späten Abend genommen. Eine belastbare Begründung im Sinne zugelassener Angaben gibt es dafür nicht – es ist eine Überlieferung aus der Anwendungspraxis.
  • Als Kur gedacht. Ginseng wird traditionell über Wochen bis wenige Monate angewendet, mit Pausen dazwischen – nicht als Dauerprodukt über Jahre.
  • Abstand zu Kaffee. Wer empfindlich reagiert, kombiniert Ginseng und Koffein nicht in derselben Stunde.

Zur Lagerung: Trocken und lichtgeschützt. Extrakte sind hygroskopisch und verkleben bei Feuchtigkeit.

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Wann Vorsicht geboten ist

Ginseng ist eine der Pflanzen mit den meisten dokumentierten Wechselwirkungen. Drei Konstellationen sind besonders relevant:

Gerinnungshemmende Medikamente. Bei gleichzeitiger Einnahme gehört die Anwendung ärztlich abgeklärt.

Blutzuckersenkende Mittel. Auch hier wird zur ärztlichen Rücksprache geraten.

Vor Operationen. Die Einnahme sollte dem behandelnden Arzt frühzeitig bekannt sein.

Nicht vorgesehen sind Ginsengpräparate in aller Regel für Kinder, Schwangere und Stillende – das steht auf dem Etikett und hat seinen Grund in fehlenden Daten für diese Gruppen.

Wichtig: Ginsengpräparate sind nicht für Kinder, Schwangere und Stillende geeignet. Bei Einnahme von Medikamenten – insbesondere Gerinnungshemmern und blutzuckersenkenden Mitteln – sowie vor geplanten Operationen vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.

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Häufige Fragen zu Ginseng

Was sind Ginsenoside?
Die Leitsubstanzen der Ginsengwurzel – eine Gruppe von über dreißig verwandten Verbindungen. Extrakte werden üblicherweise auf ihren Gesamtgehalt standardisiert.

Ist sibirischer Ginseng echter Ginseng?
Nein. Eleutherococcus senticosus ist eine andere Pflanze und enthält keine Ginsenoside.

Was unterscheidet roten von weißem Ginseng?
Nur die Verarbeitung. Roter Ginseng wird ungeschält gedämpft, weißer geschält und getrocknet. Beim Dämpfen verändert sich das Ginsenosidmuster.

Wie viel Ginsenoside sollten enthalten sein?
Übliche Standardisierungen reichen von wenigen Prozent bis rund zwanzig. Entscheidend ist, dass überhaupt ein Wert genannt wird.

Gibt es zugelassene Wirkaussagen für Ginseng?
Nein, keine einzige.

Wie lange nimmt man Ginseng ein?
Traditionell als Kur über Wochen bis wenige Monate, mit Pausen – nicht dauerhaft über Jahre.

Warum ist Ginseng so teuer?
Weil die Wurzel erst nach vier bis sechs Jahren geerntet wird und die Anbaufläche danach lange nicht erneut nutzbar ist.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei Einnahme von Medikamenten vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.

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