Kaum ein Bereich der Nahrungsergänzung wird so offensiv beworben wie die Wechseljahre – und kaum einer ist rechtlich so eng. Für die Pflanzen, mit denen üblicherweise geworben wird, existiert keine einzige zugelassene Angabe. Was tatsächlich gesagt werden darf, lässt sich an einer Hand abzählen.
Was in den Wechseljahren geschieht
Die Wechseljahre sind keine Erkrankung, sondern ein Lebensabschnitt. Über mehrere Jahre hinweg lassen die Eierstöcke ihre Tätigkeit nach, die Produktion der Sexualhormone geht zurück, und der Zyklus wird unregelmäßig, bis er ausbleibt. Als Menopause bezeichnet man rückblickend die letzte Regelblutung.
Zwei Veränderungen sind ernährungsphysiologisch relevant und dafür selten Thema:
Der Knochenstoffwechsel verändert sich. In den Jahren um die Menopause nimmt die Knochendichte stärker ab als davor. Das ist der Bereich, in dem es tatsächlich zugelassene Nährstoffangaben gibt.
Der Eisenbedarf sinkt. Mit dem Ausbleiben der Regelblutung entfällt der monatliche Verlust. Der Bedarf fällt damit deutlich – ein Punkt, der in Produkten für diese Lebensphase häufig unberücksichtigt bleibt.
Was zugelassen ist – die vollständige Liste
Es gibt keine zugelassene Angabe, die sich auf die Wechseljahre als solche bezieht. Was existiert, sind Nährstoffangaben, die in dieser Lebensphase relevant sein können:
| Nährstoff | Zugelassene Angabe |
|---|---|
| Vitamin B6 | trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei |
| Calcium, Vitamin D, Vitamin K, Magnesium, Zink, Mangan | tragen zur Erhaltung normaler Knochen bei |
| Magnesium, Vitamin B6, Folat, B12, Biotin | tragen zur normalen psychischen Funktion bei |
| Magnesium, Eisen, Folat, B12, B6, C | tragen zur Verringerung von Müdigkeit bei |
| Vitamin D | trägt zur normalen Aufnahme von Calcium bei |
Die Angabe zu Vitamin B6 und der Hormontätigkeit ist dabei die einzige mit direktem Hormonbezug überhaupt. Sie ist entsprechend begehrt – und sie gilt bereits ab 15 Prozent des Bezugswerts, also ab 0,21 mg.
Was nicht zugelassen ist – und das ist die längere Liste
Für sämtliche Pflanzen, die üblicherweise in Wechseljahresprodukten stecken, existiert keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe:
- Rotklee und Soja-Isoflavone
- Yamswurzel
- Nachtkerzenöl
- Mönchspfeffer
- Salbei
- Traubensilberkerze
- Baldrian, Hopfen, Passionsblume
Das heißt nicht, dass sie wertlos wären – einige sind gut untersucht. Es heißt, dass die eingereichte Evidenz den Anforderungen nicht genügte und Werbung damit unzulässig ist.
Was ein Etikett dennoch nennen darf, ist die Deklaration: Pflanzenteil, Extraktverhältnis und Leitstoffgehalt. Bei Rotklee etwa der Isoflavongehalt, bei Yams das Diosgenin.
Kurz gesagt: Wenn ein Wechseljahresprodukt eine Wirkung verspricht, stützt sich diese fast immer auf einen zugesetzten Nährstoff – meist Vitamin B6 – und nicht auf die Pflanze, die auf der Vorderseite steht.
Der Diosgenin-Mythos
Ein Irrtum hält sich in diesem Bereich besonders hartnäckig: Diosgenin aus der Yamswurzel sei eine „natürliche Vorstufe des Progesterons“.
Richtig daran ist, dass Diosgenin tatsächlich als Ausgangsstoff für die industrielle Synthese von Steroidhormonen diente – historisch war es die Grundlage der Hormonherstellung überhaupt. Diese Umwandlung findet jedoch im Labor statt, in mehreren chemischen Schritten.
Im menschlichen Körper existiert dieser Stoffwechselweg nicht. Wer Yamswurzel einnimmt, nimmt Diosgenin auf – kein Progesteron und keine Vorstufe davon.
Deshalb nennen wir bei Yams-Produkten die Menge und das Extraktverhältnis und verzichten auf die Geschichte.
Knochen – der Bereich mit echten Angaben
Wenn es in dieser Lebensphase einen Nährstoffbereich gibt, der auf belastbaren zugelassenen Angaben steht, dann ist es der Knochenstoffwechsel.
Sechs Nährstoffe tragen die Angabe zur Erhaltung normaler Knochen: Calcium, Vitamin D, Vitamin K, Magnesium, Zink und Mangan. Dazu kommt die Angabe, dass Vitamin D zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium beiträgt – der sachliche Grund, warum beide zusammen angeboten werden.
Beim Calcium lohnt der Blick auf die Verbindung: Carbonat enthält rund 40 Prozent elementares Calcium, Citrat und Gluconat deutlich weniger. Der Bezugswert liegt bei 800 mg.
Und ein Punkt, der keine Kapsel braucht: Krafttraining und Bewegung gegen Widerstand wirken auf den Knochenstoffwechsel – das ist keine gesundheitsbezogene Angabe im Sinne des Lebensmittelrechts, sondern schlicht Physiologie.

Bei jedem Pflanzenextrakt ist der Leitstoff ausgewiesen: 500 mg Yamswurzel mit 100 mg Diosgenin, 340 mg Rotklee mit 27,2 mg Isoflavonen. Die zugelassenen Angaben tragen Vitamin B6, Eisen, Folat und B12.
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Nährstoffkomplex mit 30 deklarierten Positionen, darunter Vitamin D, K, Magnesium, Zink und Mangan für die Knochenangaben sowie Vitamin B6 für die Hormontätigkeit.
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Zum Produkt →Eisen – der Punkt, der übersehen wird
Viele Produkte für Frauen ab 40 enthalten Eisen. Das ist in der Übergangsphase, solange der Zyklus besteht, gut begründbar. Nach der letzten Regelblutung ändert sich die Lage: Der monatliche Verlust entfällt, der Bedarf sinkt deutlich.
Eisen wird zudem nicht aktiv ausgeschieden – der Körper reguliert vor allem über die Aufnahme. Eine dauerhafte Zufuhr ohne nachgewiesenen Mangel ist deshalb nicht sinnvoll.
Praktisch heißt das: Ob ein eisenhaltiges Präparat in dieser Lebensphase passt, hängt davon ab, wo im Übergang man steht – und das lässt sich über den Ferritinwert bestimmen, nicht über das Etikett.
Wichtig: Ausbleibende oder veränderte Blutungen, starke Beschwerden und die Frage nach einer Hormontherapie gehören in ärztliche Betreuung. Bei Einnahme von Medikamenten und bei bestehenden Erkrankungen, insbesondere hormonabhängigen, gehört die Anwendung isoflavonhaltiger Präparate ärztlich abgeklärt.
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Häufige Fragen
Gibt es zugelassene Angaben für die Wechseljahre?
Nicht für die Lebensphase als solche. Zugelassen sind Nährstoffangaben, allen voran Vitamin B6 zur Regulierung der Hormontätigkeit und mehrere Nährstoffe zur Erhaltung normaler Knochen.
Wirkt Yamswurzel wie Progesteron?
Nein. Diosgenin dient der industriellen Hormonsynthese im Labor; im menschlichen Körper existiert dieser Stoffwechselweg nicht.
Sind Isoflavone aus Rotklee zugelassen beworben?
Nein. Für Rotklee und Soja-Isoflavone existiert keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe.
Brauche ich in den Wechseljahren Eisen?
Solange der Zyklus besteht, kann es sinnvoll sein. Nach der letzten Regelblutung sinkt der Bedarf deutlich – entscheidend ist der Ferritinwert, nicht die Lebensphase.
Welche Nährstoffe sind für die Knochen relevant?
Calcium, Vitamin D, Vitamin K, Magnesium, Zink und Mangan tragen zur Erhaltung normaler Knochen bei.
Woran erkenne ich ein serioses Wechseljahresprodukt?
Daran, dass es bei jedem Pflanzenextrakt den Leitstoffgehalt nennt und seine Wirkaussagen ausdrücklich den Nährstoffen zuordnet, nicht den Pflanzen.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Einnahme von Medikamenten vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.