Rund um die Augen wird viel versprochen – besonders seit Bildschirmarbeit zum Alltag gehört. Tatsächlich zugelassen sind gerade einmal vier Nährstoffangaben, und ausgerechnet die bekanntesten Substanzen dieser Kategorie tragen keine davon. Dieser Beitrag sortiert, was gilt.
Die zugelassenen Angaben zur Sehkraft
Vier Nährstoffe tragen eine geprüfte Angabe mit Bezug zur Sehkraft:
| Nährstoff | Zugelassene Angabe | Bedingung |
|---|---|---|
| Vitamin A | Erhaltung normaler Sehkraft | ab 15 % des Bezugswerts |
| Riboflavin (B2) | Erhaltung normaler Sehkraft | ab 15 % des Bezugswerts |
| Zink | Erhaltung normaler Sehkraft | ab 15 % des Bezugswerts |
| DHA | Erhaltung normaler Sehkraft | 250 mg DHA täglich |
Das ist die vollständige Liste. Alle vier sprechen von der Erhaltung der normalen Sehkraft – nicht von Verbesserung, nicht von Schutz vor Erkrankungen.
Kurz gesagt: Für Lutein und Zeaxanthin – die beiden Substanzen, mit denen Augenprodukte am häufigsten beworben werden – existiert keine zugelassene Angabe. Ebenso wenig für Heidelbeerextrakt, Astaxanthin oder Vitamin C mit Augenbezug.
Vitamin A – zwei Wege, eine Angabe
Vitamin A ist der klassische Augennährstoff, und das aus gutem biochemischen Grund: Retinal, eine Form des Vitamins, ist Bestandteil des Sehfarbstoffs in der Netzhaut. Ohne ihn funktioniert die Umwandlung von Licht in Nervensignale nicht.
Auf Etiketten begegnen einem zwei Wege dorthin:
| Form | Herkunft | Besonderheit |
|---|---|---|
| Retinol, Retinylacetat, Retinylpalmitat | direkt wirksames Vitamin A | wird gespeichert, Obergrenze beachten |
| Beta-Carotin | pflanzliche Vorstufe | Umwandlung nach Bedarf, kein Überschuss |
Der Bezugswert liegt bei 800 µg Vitamin-A-Äquivalent. Bei Beta-Carotin braucht es ein Mehrfaches dieser Menge, weil die Umwandlung nicht vollständig erfolgt – der übliche Umrechnungsfaktor liegt bei etwa sechs zu eins.
Der wesentliche Unterschied: Vorgeformtes Vitamin A wird gespeichert, Beta-Carotin wird nur nach Bedarf umgewandelt. Deshalb gilt die tolerierbare Obergrenze von 3.000 µg täglich für Retinol, nicht für Beta-Carotin.
Wichtig in der Schwangerschaft: Hoch dosiertes vorgeformtes Vitamin A gilt in der Schwangerschaft als problematisch. Deshalb tragen viele Multipräparate mit Retinol einen entsprechenden Hinweis – und deshalb wird für Schwangere in der Regel zu Beta-Carotin geraten. Die Anwendung gehört ärztlich abgeklärt.
Lutein und Zeaxanthin – bekannt, aber ohne Angabe
Lutein und Zeaxanthin sind Carotinoide, die sich im Körper unter anderem in der Netzhaut anreichern und dort den gelblichen Fleck des scharfen Sehens färben. Gewonnen werden sie meist aus Tagetes, der Studentenblume.
Trotz umfangreicher Forschung existiert für beide keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Wer damit wirbt, tut es unzulässig – und das betrifft einen erheblichen Teil des Marktes für Augenprodukte.
Was sich sagen lässt, ist die zweite Zahl. Bei Lutein sind zwei Angaben aussagekräftig:
- Der Luteingehalt selbst, nicht die Menge des Tagetes-Extrakts. „100 mg Tagetesextrakt“ können 5 oder 20 mg Lutein bedeuten.
- Freie Form oder Ester. Lutein aus Tagetes liegt zunächst als Fettsäureester vor. Wird es nicht verseift, wiegt der Fettsäureanteil in der Milligrammangabe mit. Produkte mit freiem Lutein weisen das aus.
Und wie alle Carotinoide ist Lutein fettlöslich – zur Mahlzeit mit etwas Fett eingenommen ergibt es mehr Sinn als nüchtern.
DHA und die 250-Milligramm-Schwelle
Die vierte zugelassene Angabe ist die einzige mit einer eigenen Mengenschwelle: DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei – die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg DHA ein.
Diese Zahl ist der Grund, warum viele Omega-3-Produkte die Aussage nicht führen dürfen. Ein Standard-Fischöl mit 1.000 mg Öl liefert häufig nur 120 mg DHA – also weniger als die Hälfte. Entscheidend ist nicht die Ölmenge, sondern die deklarierte DHA-Menge.
Algenöle sind hier häufig im Vorteil, weil sie sich gezielt auf DHA züchten lassen. Bei Fischöl überwiegt oft EPA.

309 mg DHA und 124 mg EPA aus der Mikroalge Schizochytrium. Die 250-mg-Schwelle für die DHA-Angabe wird damit erreicht – bei den meisten Standard-Fischölen ist das nicht der Fall.
Omega-3 + D3 + K2
Zum Produkt →Zink und Riboflavin – die unauffälligen beiden
Zink und Riboflavin tragen dieselbe Angabe wie Vitamin A, werden aber selten damit beworben – weil sie unspektakulär klingen und in fast jedem Multipräparat ohnehin enthalten sind.
Gerade das macht sie praktisch: Wer ein Multivitamin nimmt, das Vitamin A, Riboflavin und Zink jeweils oberhalb der 15-Prozent-Schwelle deklariert, deckt drei der vier zugelassenen Augenangaben ab – ohne ein spezielles Augenprodukt.
Der Bezugswert liegt bei Riboflavin bei 1,4 mg und bei Zink bei 10 mg. Beim Zink ist zusätzlich die Obergrenze von 25 mg täglich aus allen Quellen zu beachten.

Drei der vier Nährstoffe mit zugelassener Sehkraft-Angabe, jeweils deutlich über der 15-Prozent-Schwelle deklariert. Vitamin B12 in beiden aktiven Formen, Folat als 5-MTHF.
Multivitamin Premiumkomplex
Zum Produkt →Bildschirmarbeit – was sich sagen lässt und was nicht
Zum Thema Blaulicht und Bildschirmarbeit existiert keine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Produkte, die mit Blaulichtschutz werben, bewegen sich außerhalb des zulässigen Rahmens.
Was sich sachlich sagen lässt, hat mit Ernährung wenig zu tun: Bei konzentrierter Bildschirmarbeit sinkt die Lidschlagfrequenz deutlich, was der häufigste Grund für trockene, brennende Augen am Abend ist. Regelmäßige Pausen, bewusstes Blinzeln und ein Blick in die Ferne sind die naheliegenden Maßnahmen – und sie kosten nichts.
Anhaltende Beschwerden gehören augenärztlich abgeklärt, nicht mit einem Präparat überdeckt.
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Häufige Fragen
Welche Nährstoffe haben eine zugelassene Angabe zur Sehkraft?
Vitamin A, Riboflavin, Zink und DHA. Alle beziehen sich auf die Erhaltung der normalen Sehkraft.
Hilft Lutein den Augen?
Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Lutein oder Zeaxanthin existiert nicht. Aussagen dazu sind unzulässig, unabhängig von der enthaltenen Menge.
Wie viel DHA braucht es für die Sehkraft-Angabe?
250 mg DHA täglich. Viele Standard-Fischöle liefern deutlich weniger.
Was ist der Unterschied zwischen Retinol und Beta-Carotin?
Retinol ist direkt wirksames Vitamin A und wird gespeichert. Beta-Carotin ist die pflanzliche Vorstufe und wird nur nach Bedarf umgewandelt.
Was bedeutet „freies Lutein“?
Lutein aus Tagetes liegt als Fettsäureester vor. Wird es verseift, entsteht freies Lutein – dann wiegt kein Fettsäureanteil in der Mengenangabe mit.
Helfen Präparate bei Bildschirmarbeit?
Zugelassene Angaben dazu gibt es nicht. Trockene Augen am Bildschirm hängen vor allem mit der verringerten Lidschlagfrequenz zusammen.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Anhaltende Sehbeschwerden gehören augenärztlich abgeklärt. In der Schwangerschaft vor der Einnahme vitamin-A-haltiger Präparate ärztlichen Rat einholen.