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OPC: Warum Traubenkerne bitter schmecken

Wer je auf einen Traubenkern gebissen hat, kennt den Geschmack: herb, bitter, zusammenziehend. Genau dieser Eindruck hat einen Namen – und der heißt OPC.

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Ketten aus Bausteinen

OPC steht für oligomere Proanthocyanidine. Der Name klingt kompliziert, beschreibt aber nur einen Aufbau.

Oligomer bedeutet: aus wenigen Bausteinen zusammengesetzt. Die Bausteine selbst sind Catechine – dieselben Verbindungen, die auch in grünem Tee und Kakao vorkommen.

Je nach Kettenlänge unterscheidet man:

  • Monomere – einzelne Catechine
  • Oligomere – kurze Ketten aus zwei bis etwa sieben Bausteinen, das eigentliche OPC
  • Polymere – lange Ketten, die klassischen Gerbstoffe

Die Kettenlänge bestimmt die Eigenschaften. Lange Ketten binden Eiweiße und erzeugen das pelzige Gefühl im Mund – deshalb schmeckt ein tanninreicher Rotwein adstringierend.

Kurze Ketten sind milder und besser löslich.

Kurz gesagt: OPC sind kurzkettige Gerbstoffe. Sie sind der Grund, warum Traubenkerne herb schmecken und warum die Pflanze ihre Samen damit schützt.

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Das französische Paradox

In den 1980er Jahren fiel Forschern eine Beobachtung auf: Die französische Bevölkerung wies trotz fettreicher Ernährung vergleichsweise niedrige Raten bestimmter Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Der Begriff französisches Paradox entstand, und als Erklärung wurde unter anderem der regelmäßige Rotweinkonsum diskutiert – genauer: die darin enthaltenen Polyphenole.

Das war der Beginn des Interesses an Traubeninhaltsstoffen. Als wissenschaftliche Erklärung gilt die These heute als nicht ausreichend belegt – andere Faktoren wie Ernährungsmuster, Bewegung und methodische Unterschiede bei der Erfassung spielen vermutlich eine Rolle.

Geblieben ist das Interesse an den Inhaltsstoffen. Die Geschichte erklärt, warum OPC überhaupt erforscht wurde – sie belegt keine Wirkung.

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BEIDE ZAHLEN AUF DEM ETIKETT

800 mg Traubenkernextrakt, davon 408 mg OPC – die Angabe, die den Vergleich zwischen zwei Produkten erst möglich macht.

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Die zwei Zahlen auf der Packung

Das ist der zentrale Punkt beim Vergleich zweier OPC-Produkte.

Traubenkernextrakt ist nicht dasselbe wie OPC. Der Extrakt enthält OPC – aber auch andere Polyphenole, Monomere und Polymere.

Steht auf einer Packung nur 800 mg Traubenkernextrakt, bleibt offen, wie viel davon OPC ist. Der Anteil kann zwischen wenigen Prozent und über der Hälfte liegen.

Was eine sorgfältige Deklaration zeigt:

Angabe Aussagekraft
„800 mg Traubenkernextrakt" gering – OPC-Anteil unbekannt
„800 mg Extrakt, davon 408 mg OPC" vergleichbar

Eine große Zahl auf der Vorderseite ist bei OPC selten die relevante. Wer vergleicht, rechnet Milligramm OPC gegen Milligramm OPC.

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Wo OPC natürlich vorkommt

Traubenkerne sind die bekannteste Quelle, aber nicht die einzige:

  • Traubenkerne – die klassische Quelle für Extrakte
  • Kiefernrinde – vor allem von der französischen Seekiefer
  • Apfelschalen – wieder die Schale, wie beim Quercetin
  • Kakao – besonders in wenig verarbeitetem
  • Beeren und Nüsse – Cranberry, Erdnusshäutchen

Das Erdnusshäutchen ist ein gutes Beispiel für das Muster: Die dünne rötliche Haut um den Kern enthält deutlich mehr Polyphenole als der Kern selbst – und wird bei blanchierten Erdnüssen entfernt.

Wie bei Zwiebelschale, Apfelschale und Granatapfelhaut gilt: Der schützende Teil ist der gehaltvolle.

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Was wir nicht schreiben

Für OPC gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.

Im Netz finden sich Aussagen zu Gefäßen, Haut und Zellschutz. Diese Angaben sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt.

Auch der Begriff Antioxidans darf auf einem Etikett nicht als Wirkaussage stehen – obwohl er chemisch zutrifft. Die EFSA hat Anträge zu Polyphenolen überwiegend abgelehnt.

Was zulässig ist: Angaben zu zugesetzten Nährstoffen. Deshalb steht auf vielen OPC-Produkten Vitamin C – es liefert die einzigen Sätze, die geschrieben werden dürfen.

Passend dazu: Der Pflanzenstoff, der Zwiebeln ihre Farbe gibt →

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Häufige Fragen

Was bedeutet OPC?
Oligomere Proanthocyanidine – kurzkettige Verbindungen aus Catechin-Bausteinen.

Warum schmecken Traubenkerne bitter?
Wegen der Gerbstoffe. Lange Ketten binden Eiweiße und erzeugen das pelzige Gefühl.

Was ist das französische Paradox?
Eine Beobachtung aus den 1980er Jahren, die das Interesse an Traubeninhaltsstoffen auslöste. Als Erklärung gilt sie heute als nicht ausreichend belegt.

Warum stehen zwei Zahlen auf der Packung?
Traubenkernextrakt ist die Gesamtmenge, OPC der darin enthaltene Anteil. Nur letzterer ist vergleichbar.

Wo kommt OPC noch vor?
In Kiefernrinde, Apfelschalen, Kakao, Beeren und Erdnusshäutchen.

Darf mit Wirkung geworben werden?
Nein. Für OPC sind in der EU keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen.

Wichtig: Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder und Jugendliche. Gerbstoffe können die Aufnahme von Eisen und anderen Mineralstoffen beeinträchtigen – zeitlichen Abstand einhalten. Bei der Einnahme von Medikamenten, insbesondere Blutverdünnern, vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

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