MSM ist ein ungewöhnlicher Fall im Nahrungsergänzungsregal: ein einzelner, chemisch klar definierter Stoff ohne Extraktverhältnis und ohne Leitsubstanz. Die zweite Zahl liegt deshalb woanders – und bei Kombiprodukten an einer Stelle, die auf den ersten Blick nebensächlich wirkt.
Was MSM ist
MSM steht für Methylsulfonylmethan, chemisch auch Dimethylsulfon genannt. Es ist eine organische Schwefelverbindung – ein weißes, kristallines Pulver ohne Farbe und mit leicht bitterem Geschmack.
In der Natur kommt MSM in geringen Mengen in Pflanzen, Milch, Kaffee und Gemüse vor. Es ist Teil eines großen Kreislaufs: Meeresalgen geben schwefelhaltige Verbindungen ab, die in der Atmosphäre umgewandelt und mit dem Regen wieder auf Pflanzen zurückgeführt werden. Die Mengen in Lebensmitteln sind allerdings sehr klein – sie bewegen sich im Milligrammbereich pro Kilogramm.
Schwefel selbst ist ein mengenmäßig bedeutsames Element im Körper. Er steckt unter anderem in den Aminosäuren Methionin und Cystein und damit in Strukturproteinen wie Keratin und Kollagen. Für Schwefel existiert allerdings kein Nährstoffbezugswert – er gilt als über die Ernährung ausreichend verfügbar, solange genügend Eiweiß aufgenommen wird.
Keine zugelassene Angabe
Für MSM ist in der Europäischen Union keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Weder zu Gelenken, Haut, Haaren, Bindegewebe noch zu Entzündungen – letzteres wäre ohnehin krankheitsbezogen und damit generell unzulässig.
Das gilt auch für die Formulierung „Schwefelquelle“ oder „organischer Schwefel“ in Verbindung mit einer Wirkung. Beschreibend dürfen diese Begriffe verwendet werden, als Wirkversprechen nicht.
Und weil für Schwefel kein Bezugswert existiert, lässt sich auch keine Prozentangabe bilden. Auf MSM-Etiketten steht in der NRV-Spalte deshalb regelmäßig ein Sternchen mit dem Hinweis „Keine Nährstoffbezugswerte bekannt“ – das ist korrekt und kein Versehen.
Kurz gesagt: Ein MSM-Produkt ohne jede Wirkaussage ist das rechtlich korrekte. Wo dennoch etwas versprochen wird, gehört die Aussage entweder einem zugesetzten Nährstoff – oder sie ist unzulässig.
Die zweite Zahl bei einem Reinstoff
Bei Extrakten ist die zweite Zahl der Leitstoffgehalt. Bei MSM gibt es keinen – es ist bereits der Reinstoff. Vergleichbar sind Produkte deshalb über drei andere Punkte:
| Kriterium | Worauf zu achten ist |
|---|---|
| Länge der Zutatenliste | zwei Zutaten sind möglich – MSM und Kapselhülle |
| Herstellungsverfahren | Destillation gilt als aufwendigeres Reinigungsverfahren als Kristallisation |
| Tagesdosis und Stückzahl | wie viele Tabletten oder Kapseln für die angegebene Menge nötig sind |
Der erste Punkt ist der praktisch aussagekräftigste. Bei einem Reinstoff, der als Pulver vorliegt, gibt es wenig Grund für Füllstoffe und Trennmittel. Wo drei oder vier weitere Positionen stehen, lohnt die Frage, wofür.
Zur Herstellung: MSM wird industriell aus Dimethylsulfoxid gewonnen. Die anschließende Reinigung erfolgt entweder durch Destillation oder durch Kristallisation – Angaben dazu finden sich auf hochwertigen Produkten, sind aber nicht verpflichtend.
Warum in vielen MSM-Produkten Acerola steckt
Das ist der interessanteste Punkt bei dieser Produktgruppe – und er erklärt eine Rezeptur, die sonst willkürlich wirkt.
Weil MSM selbst keine Angabe tragen darf, bleibt ein Produkt aus reinem MSM ohne jede zulässige Wirkaussage. Wird jedoch ein Nährstoff zugesetzt, der die 15-Prozent-Schwelle des Nährstoffbezugswerts erreicht, darf dessen Angabe geführt werden.
Bei Vitamin C liegt der Bezugswert bei 80 mg. Fünfzehn Prozent davon sind genau 12 mg. Ein Acerolafruchtpulver, das 12 mg Vitamin C liefert, bringt damit exakt die Menge mit, ab der Aussagen zu Immunsystem, Zellschutz, Müdigkeit und Kollagenbildung zulässig werden.
Das ist keine Trickserei, sondern eine bewusste Rezepturentscheidung – und sie ist auf dem Etikett nachrechenbar. Wichtig ist nur die richtige Zuordnung: Die Aussage gehört dem Vitamin C, nicht dem MSM.

Zwei Zutaten insgesamt: Methylsulfonylmethan und Acerolafruchtpulver. Die zulässigen Aussagen trägt das Vitamin C – mit 12 mg genau auf der Schwelle. Zwei Tabletten täglich zu einer Mahlzeit.
MSM 2000 Plus Acerola
Zum Produkt →
Die pure Variante ohne Zusatz: Methylsulfonylmethan und Cellulosekapsel, sonst nichts. Kein Füllstoff, kein Trennmittel – und folgerichtig auch keine Wirkaussage, weil MSM allein keine tragen darf.
MSM 1600 mg
Zum Produkt →Mehr Informationen zum Produktvergleich →
Tablette oder Kapsel
MSM ist voluminös. Eine Kapsel fasst je nach Größe rund 500 bis 800 mg Pulver – für 2.000 mg bräuchte es entsprechend drei bis vier davon.
Deshalb werden höhere Mengen üblicherweise als Tabletten angeboten: Gepresstes Pulver lässt sich dichter packen. Der Preis dafür ist, dass Tabletten in aller Regel Presshilfsstoffe benötigen – wo eine Tablette mit zwei Zutaten auskommt, ist das bereits bemerkenswert.
Kapseln bleiben die Wahl für niedrigere Mengen oder wenn auf Presshilfsstoffe verzichtet werden soll. Beides sind legitime Wege, und die Stückzahl auf der Packung verrät, welchen ein Hersteller gegangen ist.
Einnahme und Verträglichkeit
- Einschleichen. Wer mit MSM beginnt, fängt üblicherweise mit einer geringeren Menge an und steigert über einige Tage. Ein abrupter Einstieg mit der vollen Tagesdosis wird schlechter vertragen.
- Zu einer Mahlzeit. Auf nüchternen Magen berichten manche von Unwohlsein.
- Reichlich trinken. Das gilt bei allen höher dosierten Pulverprodukten.
- Nicht am späten Abend. Eine Überlieferung aus der Anwendungspraxis, keine belegte Regel – aber verbreitet.
Zum Geschmack: MSM ist deutlich bitter. In Kapseln und Tabletten fällt das nicht auf, bei Pulver sehr wohl – das ist der häufigste Grund, warum MSM-Pulver im Schrank stehen bleibt.
Wichtig: Bei Einnahme von Medikamenten und bei bestehenden Erkrankungen vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen. Anhaltende Gelenkbeschwerden gehören ärztlich abgeklärt und nicht mit einem Präparat überdeckt.
Häufige Fragen zu MSM
Wofür steht MSM?
Für Methylsulfonylmethan, eine organische Schwefelverbindung.
Gibt es zugelassene Wirkaussagen für MSM?
Nein, keine einzige.
Warum steht keine NRV-Prozentangabe auf der Packung?
Weil für Schwefel und für MSM kein Nährstoffbezugswert existiert. Der Hinweis „Keine Nährstoffbezugswerte bekannt“ ist korrekt.
Warum ist Acerola beigemischt?
Weil das darin enthaltene Vitamin C zugelassene Angaben trägt – ab 12 mg, also 15 Prozent des Bezugswerts.
Ist MSM vegan?
Der Rohstoff ist synthetisch beziehungsweise mineralischen Ursprungs. Entscheidend ist die Kapselhülle – Cellulose ist vegan, Gelatine nicht.
Wie viel MSM pro Tag?
Eine offizielle Empfehlung existiert nicht. Übliche Mengen in Präparaten liegen zwischen 1.000 und 3.000 mg.
Warum Tabletten statt Kapseln?
Weil MSM voluminös ist. Für 2.000 mg bräuchte es drei bis vier Kapseln, aber nur zwei Tabletten.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei Einnahme von Medikamenten vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.