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Greens: Warum die Tagesmenge in Gramm zählt – Spirulina, Chlorella, Gerstengras

Greens – Spirulina, Chlorella, Gerstengras, Weizengras – gehören zu den meistverkauften Kategorien im Nahrungsergänzungsregal. Sie haben eine Gemeinsamkeit, die selten ausgesprochen wird: Die sinnvolle Tagesmenge liegt im Grammbereich, nicht im Milligrammbereich. Das ändert alles an der Frage, welches Format überhaupt taugt.

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Was „Greens“ überhaupt sind

„Greens“ ist ein Marketingbegriff, keine rechtliche Kategorie. Gemeint sind grüne, chlorophyllreiche Rohstoffe pflanzlichen oder algenartigen Ursprungs – in aller Regel getrocknet und zu Pulver oder Tabletten verarbeitet.

Rohstoff Was es ist Herkunft
Spirulina Cyanobakterium, botanisch keine echte Alge Süßwasser, Zuchtbecken
Chlorella einzellige Grünalge mit fester Zellwand Süßwasser, Zuchtbecken
Gerstengras junge Blätter der Gerstenpflanze Feldanbau
Weizengras junge Blätter der Weizenpflanze Feldanbau

Ein häufiges Missverständnis gleich vorweg: Spirulina ist botanisch keine Alge, sondern ein Cyanobakterium. Und Gersten- sowie Weizengras sind glutenfrei, solange sie vor der Kornbildung geerntet werden – das Gluten sitzt im Korn, nicht im Blatt. Auf eine entsprechende Angabe des Herstellers sollte man sich dabei allerdings verlassen können.

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Was rechtlich gesagt werden darf

Für Spirulina, Chlorella, Gerstengras und Weizengras als solche ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Auch nicht für Chlorophyll. Aussagen zu Entgiftung, Blutbildung, Entschlackung oder Säure-Basen-Haushalt sind entsprechend unzulässig – und begegnen einem trotzdem auf fast jeder zweiten Packung.

Es gibt allerdings einen Weg, der häufig übersehen wird: Enthält ein Greens-Produkt einen Nährstoff mit festgelegtem Bezugswert in einer Menge von mindestens 15 Prozent, darf die Angabe zu diesem Nährstoff geführt werden. Bei manchen Algenprodukten trifft das etwa auf Eisen oder Riboflavin zu.

Entscheidend ist dann aber: Die Aussage gehört zum Nährstoff, nicht zur Alge. Wer daraus „Spirulina stärkt das Immunsystem“ macht, hat die Grenze bereits überschritten.

Kurz gesagt: Die Alge trägt keine Aussage. Ein deklarierter Nährstoff darin kann eine tragen – vorausgesetzt, er ist mit Menge und NRV ausgewiesen und erreicht 15 Prozent.

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Die zweite Zahl bei Greens: die Tagesmenge in Gramm

Hier liegt der entscheidende Unterschied zu allen anderen Kategorien. Greens sind keine Konzentrate, sondern getrocknete Lebensmittel. Ihre Nährstoffdichte ist die eines Gemüses, nicht die eines Extrakts.

Deshalb bewegen sich sinnvolle Tagesmengen im Bereich von 3 bis 10 Gramm. Eine Tablette wiegt typischerweise 500 Milligramm. Daraus folgt eine unbequeme Rechnung:

Tagesmenge Entspricht Tabletten à 500 mg
3 g 6 Stück
6 g 12 Stück
10 g 20 Stück

Ein Produkt, das „400 mg Spirulina pro Kapsel“ bewirbt und eine Kapsel täglich empfiehlt, liefert damit ein Fifteentel einer üblichen Tagesmenge. Die Zahl auf der Packung stimmt – die Größenordnung nicht.

Deshalb gilt bei Greens: Schau auf die Tagesdosis, nicht auf die Menge je Tablette. Und rechne, wie viele Stück du tatsächlich nehmen müsstest. Bei dieser Stoffgruppe ist Pulver das ehrlichere Format – Tabletten funktionieren nur, wenn die Verzehrempfehlung entsprechend hoch ist.

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Der B12-Irrtum bei Spirulina

Kaum ein Punkt hält sich so hartnäckig: Spirulina gilt vielen als pflanzliche Vitamin-B12-Quelle. Das ist nach heutigem Kenntnisstand nicht haltbar.

Spirulina enthält überwiegend sogenannte Corrinoide – Verbindungen, die dem Vitamin B12 chemisch ähneln und in gängigen Analysen als B12 mitgemessen werden können, vom menschlichen Stoffwechsel aber nicht wie echtes B12 verwertet werden. In der Fachliteratur ist dafür der Begriff Pseudo-B12 üblich.

Für die Praxis bedeutet das: Wer sich vegan ernährt, sollte seine B12-Versorgung nicht auf Spirulina stützen. Dafür gibt es Präparate mit Methyl- oder Adenosylcobalamin, deren Menge in Mikrogramm mit NRV deklariert ist.

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Herkunft und Reinheit – das wichtigste Qualitätsmerkmal

Algen nehmen aus ihrem Wachstumsmedium auf, was darin enthalten ist – einschließlich unerwünschter Stoffe. Genau deshalb ist die Herkunft bei Greens kein Nebenaspekt, sondern das zentrale Qualitätskriterium.

Worauf zu achten ist:

  • Kontrollierter Anbau in geschlossenen Becken statt Wildsammlung.
  • Angaben zur Prüfung auf Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber.
  • Bei Spirulina zusätzlich: Prüfung auf Microcystine – Stoffe, die von anderen Cyanobakterien stammen können, wenn die Kultur nicht sauber geführt wird.
  • Bio-Zertifizierung mit angegebener Öko-Kontrollstellennummer.
  • Herstellungsland und, wenn möglich, Herkunftsland des Rohstoffs.

Ein Produkt, das keine dieser Angaben macht, ist bei dieser Stoffgruppe schwer zu beurteilen – unabhängig davon, wie hoch der Chlorophyllgehalt ausgewiesen ist.

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Die Tagesdosis liegt bei 6 Gramm und wird auf 3 x 4 Tabletten verteilt – die Größenordnung, die diese Stoffgruppe verlangt. Bio-Qualität, hergestellt in Deutschland, mit ausgewiesenen 81 mg Chlorophyll. Eine Zutat.

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Einnahme, Geschmack und Verträglichkeit

Greens schmecken intensiv grün – das ist der häufigste Grund, warum Pulver im Schrank stehen bleiben. Tabletten umgehen das, verlangen dafür eine hohe Stückzahl.

  • Aufteilen. Die Tagesmenge auf zwei oder drei Portionen zu verteilen ist verträglicher als alles auf einmal.
  • Reichlich trinken. Bei höheren Mengen getrockneten Pflanzenmaterials ist das keine Floskel.
  • Langsam beginnen. Wie bei Ballaststoffen führt ein abrupter Einstieg häufig zu Unwohlsein.
  • Bei Eisen im Blick behalten: Manche Algenprodukte liefern nennenswerte Eisenmengen. Wer daneben ein Eisenpräparat nimmt, sollte beides zusammenrechnen.

Zur Lagerung: Chlorophyllhaltige Pulver sind lichtempfindlich. Dunkel, kühl und fest verschlossen aufbewahren.

Wichtig: Bei Autoimmunerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Einnahme von Medikamenten gehört die Anwendung von Algenprodukten ärztlich abgeklärt. Meeresalgen sind zudem wegen ihres Jodgehalts gesondert zu betrachten – Spirulina und Chlorella als Süßwasseralgen enthalten kein nennenswertes Jod.

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Häufige Fragen zu Greens

Ist Spirulina eine B12-Quelle?
Nein. Spirulina enthält überwiegend Corrinoide, die vom menschlichen Stoffwechsel nicht wie echtes Vitamin B12 verwertet werden.

Was ist der Unterschied zwischen Spirulina und Chlorella?
Spirulina ist ein Cyanobakterium, Chlorella eine einzellige Grünalge mit fester Zellwand. Beide wachsen im Süßwasser.

Ist Gerstengras glutenfrei?
Ja, sofern die Blätter vor der Kornbildung geerntet werden. Gluten sitzt im Korn, nicht im Blatt – eine Herstellerangabe dazu ist sinnvoll.

Wie viel Spirulina pro Tag?
Übliche Tagesmengen liegen im Bereich von 3 bis 10 Gramm. Maßgeblich ist die Verzehrempfehlung auf der Packung.

Enthält Spirulina Jod?
Nicht in nennenswerter Menge – sie ist eine Süßwasseralge. Relevant sind Meeresalgen wie Kombu und Kelp.

Gibt es zugelassene Wirkaussagen für Algen?
Nicht für die Alge selbst. Nur für darin deklarierte Nährstoffe, die mindestens 15 Prozent des Bezugswerts erreichen.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei bestehenden Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.

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