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Enzyme: Warum Milligramm nichts sagen und die Aktivität alles

Bei Enzymen ist die Milligrammangabe die am wenigsten aussagekräftige Zahl auf der ganzen Packung. Das klingt überspitzt, ist aber sachlich zutreffend: Enzyme werden nicht nach Gewicht bewertet, sondern nach Aktivität. Dieser Beitrag erklärt, warum das so ist, welche Einheiten es gibt und was rechtlich überhaupt gesagt werden darf.

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Warum Enzyme anders bewertet werden

Enzyme sind Eiweißmoleküle, die chemische Reaktionen beschleunigen, ohne sich dabei zu verbrauchen. Ihre Leistung hängt nicht an der Masse, sondern daran, wie viele Moleküle noch funktionsfähig gefaltet sind.

Genau hier liegt der Unterschied zu Vitaminen: Ein Milligramm Vitamin C ist ein Milligramm Vitamin C, unabhängig davon, wie es gelagert wurde. Ein Milligramm Enzympulver kann dagegen hochaktiv oder weitgehend inaktiv sein – die Zahl auf der Packung bleibt dieselbe.

Enzyme verlieren Aktivität durch Hitze, Feuchtigkeit, Säure und Zeit. Ein Präparat, das nur Milligramm nennt, lässt deshalb die entscheidende Information offen.

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Die zweite Zahl bei Enzymen: die Aktivitätseinheit

Die Aktivität wird in Einheiten angegeben, die beschreiben, wie viel Substrat ein Enzym unter definierten Bedingungen in einer bestimmten Zeit umsetzt. Je nach Enzym und Prüfmethode sind unterschiedliche Einheiten üblich:

Einheit Steht für Typisch bei
FIP Fédération Internationale Pharmaceutique Bromelain, Papain, Verdauungsenzyme
GDU Gelatine Digesting Units Bromelain
MCU Milk Clotting Units Bromelain, Papain
FU Fibrinolytic Units Nattokinase
FCC-Einheiten Food Chemicals Codex Lactase, Protease, Lipase

Die Einheiten sind untereinander nicht direkt umrechenbar, weil ihnen verschiedene Testverfahren zugrunde liegen. Vergleichen lässt sich deshalb nur innerhalb derselben Einheit.

Kurz gesagt: „500 mg Bromelain“ sagt so wenig aus wie „500 mg Kurkuma-Extrakt“ ohne Curcuminoidgehalt. Erst die Aktivitätsangabe – etwa in GDU oder FIP – macht zwei Enzympräparate vergleichbar.

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Was rechtlich gesagt werden darf – die eine Ausnahme

Für Enzyme in Nahrungsergänzungsmitteln ist die Rechtslage eindeutig: Für Bromelain, Papain, Serrapeptase, Nattokinase und die übrigen gängigen Enzyme existiert keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Weder zur Verdauung noch zu Entzündungen, Blut oder Regeneration.

Es gibt genau eine Ausnahme, und sie ist bemerkenswert: Für das Enzym Lactase ist eine Angabe zugelassen, die sich ausdrücklich auf eine Personengruppe mit einer Unverträglichkeit bezieht – die Verbesserung der Lactoseverdauung bei Menschen mit Lactoseintoleranz. Solche gruppenbezogenen Angaben sind im Lebensmittelrecht die absolute Ausnahme.

Für alle anderen Enzyme gilt: Menge, Aktivität und Herkunft dürfen beschrieben werden. Ein Wirkversprechen nicht.

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Magensaftresistenz – das zweite Kaufkriterium

Enzyme sind Eiweiße. Im Magen herrscht ein stark saures Milieu, das Eiweiße entfaltet und damit funktionsunfähig macht – genau das ist die Aufgabe der Magensäure.

Für Enzympräparate ist das ein grundlegendes Problem. Die übliche Lösung ist eine magensaftresistente Kapsel: Ihre Hülle löst sich nicht im sauren Magen, sondern erst im höheren pH-Bereich des Dünndarms.

Auf dem Etikett erkennbar ist das an Formulierungen wie „magensaftresistent“ oder an einer Kapselhülle, die neben Cellulose zusätzlich Gellan enthält. Fehlt jeder Hinweis darauf, stellt sich die Frage, wie viel Aktivität den Magen überhaupt übersteht.

Eine Ausnahme sind Verdauungsenzyme, die im Magen selbst arbeiten sollen – dort ist die Säurestabilität Teil der Auslegung.

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Bromelain und Nattokinase – zwei Beispiele

Bromelain ist ein Gemisch eiweißspaltender Enzyme aus der Ananas. Gewonnen wird es überwiegend aus dem Stamm der Pflanze, nicht aus der Frucht – dort ist die Konzentration deutlich höher. Wer eine Ananasallergie hat, muss Bromelainpräparate meiden.

Nattokinase stammt aus Natto, dem fermentierten Sojaprodukt aus Japan. Gewonnen wird sie durch Fermentation mit dem Bakterium Bacillus subtilis. Weil der Rohstoff aus Soja stammt, ist Soja hier als Allergen zu deklarieren.

Bei Nattokinase ist die Aktivitätsangabe in FU auf dem Markt weitgehend etabliert – sie steht auf den meisten Produkten. Bei Bromelain fehlt sie häufig, obwohl sie hier ebenso aussagekräftig wäre.

Nattokinase 100 mg Kapseln von REVIGENA
100 MG – 2.000 FU AKTIVITÄT

Beide Zahlen deklariert: 100 mg Nattokinase mit 2.000 fibrinolytischen Einheiten. Aus fermentiertem Sojabohnen-Extrakt. Enthält Soja. Nicht für Kinder, Schwangere und Stillende.

Nattokinase 100 mg

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Bromelain 1040 mg Kapseln von REVIGENA
1.040 MG – MAGENSAFTRESISTENT

Bromelain aus der Ananas in magensaftresistenten Kapseln. Die Angabe der Enzymaktivität haben wir beim Hersteller angefragt und ergänzen sie hier, sobald sie vorliegt. Nicht bei Ananasallergie.

Bromelain 1.040 mg

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Einnahme und Lagerung

Bei Enzymen hängt der richtige Zeitpunkt davon ab, wo sie arbeiten sollen:

  • Verdauungsenzyme gehören zur Mahlzeit, weil sie dort auf das Substrat treffen.
  • Enzyme, die nicht der Verdauung dienen, werden üblicherweise mit Abstand zur Mahlzeit genommen – häufig etwa 30 Minuten davor. Die Verzehrempfehlung auf der Packung ist maßgeblich.

Zur Lagerung: Enzyme sind hitze- und feuchtigkeitsempfindlich. Kühl, trocken und fest verschlossen ist hier keine Standardfloskel, sondern der Unterschied zwischen aktivem und inaktivem Pulver. Das Badezimmer ist der schlechteste Aufbewahrungsort, den ein Enzympräparat finden kann.

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Wann Vorsicht geboten ist

Enzympräparate sind kein beiläufiges Produkt. Drei Punkte gehören beachtet:

Vor Operationen. Bei mehreren Enzympräparaten wird empfohlen, den behandelnden Arzt frühzeitig über die Einnahme zu informieren und sie gegebenenfalls vorher abzusetzen.

Bei Medikamenten. Insbesondere bei gerinnungshemmenden Mitteln gehört die Einnahme ärztlich abgeklärt.

Bei Allergien. Bromelain stammt aus der Ananas, Nattokinase aus Soja. Beide Quellen sind relevante Allergene und auf der Packung deklariert.

Nicht geeignet sind diese Präparate in aller Regel für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende – das steht auf dem Etikett und hat seinen Grund in fehlenden Daten für diese Gruppen.

Wichtig: Bei Einnahme von Medikamenten nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden. Vor geplanten Operationen den behandelnden Arzt frühzeitig über die Einnahme informieren.

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Häufige Fragen zu Enzymen

Was bedeutet GDU bei Bromelain?
Gelatine Digesting Units – eine Maßeinheit für die eiweißspaltende Aktivität. Sie sagt mehr aus als die Milligrammangabe.

Was bedeutet FU bei Nattokinase?
Fibrinolytic Units, die übliche Aktivitätseinheit für dieses Enzym.

Lassen sich GDU und FIP umrechnen?
Nicht direkt – ihnen liegen unterschiedliche Testverfahren zugrunde. Vergleichbar sind nur Angaben in derselben Einheit.

Warum braucht es magensaftresistente Kapseln?
Weil Enzyme Eiweiße sind und im sauren Magen ihre Struktur verlieren können. Die Hülle löst sich erst im Dünndarm.

Gibt es zugelassene Wirkaussagen für Enzyme?
Nur für Lactase, bezogen auf die Lactoseverdauung bei Lactoseintoleranz. Für Bromelain, Papain, Serrapeptase und Nattokinase existiert keine.

Wie lagere ich Enzympräparate?
Kühl, trocken und fest verschlossen – nicht im Badezimmer. Hitze und Feuchtigkeit kosten Aktivität.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei Einnahme von Medikamenten nur unter ärztlicher Aufsicht anwenden. Vor Operationen frühzeitig den Arzt informieren.

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