Bei MSM steht auf jeder Dose eine große Milligrammzahl – 1.000, 1.600, 2.000. Sie ist leicht zu vergleichen und sagt trotzdem wenig über die Qualität. Zwei andere Angaben entscheiden: wie der Rohstoff gereinigt wurde und was außer dem MSM noch in der Tablette steckt.
Was MSM überhaupt ist
MSM steht für Methylsulfonylmethan, eine organische Schwefelverbindung. Sie besteht aus einem Schwefelatom, zwei Sauerstoffatomen und zwei Methylgruppen – ein sehr kleines, sehr einfaches Molekül.
Rund 34 Prozent des Gewichts entfallen dabei auf den Schwefel. Das ist die zweite Zahl, die kaum je auf einer Packung steht: 2.000 mg MSM enthalten etwa 680 mg elementaren Schwefel.
Der Unterschied zu anorganischen Schwefelverbindungen liegt in der Bindung. Im MSM ist der Schwefel an Kohlenstoff gebunden, wie er auch in der Natur vorkommt – nicht als Sulfatsalz.
Vorkommen findet sich in Milch, Kaffee, Tee, Tomaten und grünem Gemüse, allerdings in sehr kleinen Mengen. MSM ist zudem flüchtig: Erhitzen, Trocknen und lange Lagerung reduzieren den Gehalt.
Kurz gesagt: Ein Drittel des MSM-Gewichts ist Schwefel. Wer Produkte vergleicht, kann diese Umrechnung selbst vornehmen – sie steht selten auf der Dose.
Destilliert oder kristallisiert
Das ist der wichtigste Punkt beim Rohstoffvergleich – und der, den man auf den meisten Packungen vergeblich sucht.
Weltweit entsteht MSM aus denselben beiden Ausgangsstoffen: Dimethylsulfoxid (DMSO) und Wasserstoffperoxid. DMSO ist ein industrielles Lösungsmittel mit ausgeprägtem Eigengeruch; durch Oxidation entsteht daraus das geruchsneutrale und lagerstabile MSM. Das ist der Grund, warum sich MSM als Nahrungsergänzung durchgesetzt hat und DMSO nicht.
Entscheidend ist die anschließende Reinigung, und dafür gibt es zwei Verfahren:
Kristallisation – eine MSM-Lösung wird abgekühlt, bis sich Kristalle bilden und von der Trägerflüssigkeit trennen lassen. Günstiger, aber dabei können Reste des Ausgangsstoffs und Produktionshilfsstoffe eingeschlossen werden.
Destillation – das MSM wird verdampft und neu kondensiert. Aufwendiger und teurer, liefert aber den saubereren Rohstoff.
Steht das Verfahren nicht auf der Packung, ist es in aller Regel Kristallisation – wer destilliert, schreibt es hin.
Tablette oder Kapsel – und was das kostet
MSM ist ein voluminöses Pulver. In eine Kapsel passen rund 800 mg – für 2.000 mg bräuchte man also zweieinhalb bis drei, in der Praxis vier Kapseln.
Beim Verpressen lässt sich dieselbe Menge auf zwei Tabletten bringen. Der übliche Preis dafür steht in der Zutatenliste.
Denn eine Tablette wird unter hohem Druck gepresst, und dabei klebt das Pulver an den Stempeln, wenn kein Trennmittel dabei ist. Deshalb enthält praktisch jede Tablette am Markt Magnesiumstearat, Siliciumdioxid oder ein anderes Presshilfsmittel.
Ohne diese Stoffe zu tablettieren ist möglich, aber aufwendiger: höherer Pressdruck, langsamere Maschinenlaufzeit, weniger Stück pro Stunde. Das ist der Grund, warum es selten gemacht wird.
Beim Vergleich lohnt deshalb der Blick auf die Zutatenzahl – nicht auf die Milligrammzahl auf der Vorderseite.
Die Checkliste
Vier Angaben machen zwei MSM-Produkte vergleichbar:
1. Welches Reinigungsverfahren?
Destillation oder Kristallisation. Fehlt die Angabe, ist es meist Letzteres.
2. Wie viele Zutaten?
Bei Tabletten der aussagekräftigste Punkt überhaupt – Presshilfsstoffe sind dort die Regel.
3. Wie viele Stück für die Tagesdosis?
Eine Packung mit 120 Kapseln à 800 mg reicht bei 2.000 mg täglich nur einen Monat. Die Angabe „XY Kapseln" sagt ohne die Tagesdosis nichts.
4. Ist ein Nährstoff zugesetzt – und wie viel?
Vitamin C wird häufig kombiniert. Relevant ist, ob die Menge 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts erreicht – erst dann darf sie mit ihren Angaben genannt werden.

2.000 mg MSM – daraus rund 680 mg elementarer Schwefel. Ohne Presshilfsstoffe, dazu 12 mg Vitamin C aus Acerola: Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion von Knorpel und Knochen bei.
MSM 2000 mg + Acerola
Zum Produkt →Warum oft Vitamin C dabei ist
Die Kombination hat einen sachlichen Grund und ist nicht nur Marketing.
Schwefel steckt in den Aminosäuren Methionin und Cystein und über diese in Keratin und Kollagen. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung bei – das ist eine zugelassene Angabe. An dieser Stelle begegnen sich die beiden.
Wichtig ist dabei die Zuordnung: Die Aussage gehört dem Vitamin C, nicht dem MSM. Und sie darf nur genannt werden, wenn mindestens 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts erreicht sind – bei Vitamin C sind das 12 mg.
Ein Produkt mit 2 mg Vitamin C darf die Angabe also nicht verwenden. Wer sie trotzdem nennt, hat entweder nachgerechnet oder eben nicht.
Beim Vitamin C selbst gibt es noch eine Unterscheidung: synthetische Ascorbinsäure oder Fruchtpulver etwa aus Acerola. Ascorbinsäure ist günstiger und exakter dosierbar, das Fruchtpulver bringt die übrigen Bestandteile der Frucht mit.
Was wir über MSM nicht schreiben
Für MSM ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Auch für Schwefel als solchen nicht.
Der Grund liegt eine Stufe früher: Für Schwefel wurde nie ein Nährstoffbezugswert festgelegt. Er gilt über eiweißhaltige Lebensmittel als ausreichend verfügbar, weshalb es keinen Prozentwert gibt, auf den man sich beziehen könnte.
In der Nährwerttabelle steht deshalb bei MSM korrekterweise ein Sternchen mit dem Hinweis, dass keine Bezugswerte bekannt sind – kein Prozentwert.
Wo eine MSM-Seite Aussagen zu Gelenken, Haut oder Beschwerden trifft und diese dem MSM zuordnet, ist das nicht zulässig. Zulässig ist ausschließlich die Nennung der Angaben des zugesetzten Vitamins – und die gehören diesem Vitamin.
Kurkuma, Weihrauch und MSM – worauf es bei Extrakten ankommt →
Einnahme: langsam beginnen
Ein praktischer Punkt, der bei höheren Mengen zählt: Wer zum ersten Mal MSM nimmt, startet mit der halben Menge und steigert nach etwa einer Woche.
Ein abrupter Einstieg mit 2.000 mg wird von manchen im Verdauungstrakt gespürt, ein schrittweiser praktisch nie. Bei 1.000 mg fällt das weniger ins Gewicht als bei 2.000.
Dazu ausreichend trinken – was der Körper an Schwefelverbindungen nicht verwertet, scheidet er über die Nieren aus.
Am späten Abend ist MSM weniger zu empfehlen; manche empfinden es als aktivierend.
Und der Zeitmaßstab: Strukturproteine wie Keratin und Kollagen erneuern sich langsam. Bei Fingernägeln dauert ein vollständiger Durchgang etwa ein halbes Jahr. In Wochen und Monaten denken, nicht in Tagen.
Häufige Fragen
Was ist MSM?
Methylsulfonylmethan, eine organische Schwefelverbindung. Rund 34 Prozent des Gewichts sind Schwefel.
Woraus wird MSM hergestellt?
Aus DMSO und Wasserstoffperoxid. Entscheidend für die Qualität ist die anschließende Reinigung.
Was ist der Unterschied zwischen destilliert und kristallisiert?
Destillation ist aufwendiger und liefert den saubereren Rohstoff. Bei der Kristallisation können Reste eingeschlossen werden.
Riecht MSM nach Schwefel?
Nein. MSM ist geruchs- und geschmacksneutral – anders als das DMSO, aus dem es gewonnen wird.
Tablette oder Kapsel?
In eine Kapsel passen rund 800 mg. Für höhere Mengen braucht es entweder mehrere Kapseln oder eine Tablette.
Warum ist eine Tablette ohne Trennmittel besonders?
Weil das Pulver beim Pressen sonst an den Stempeln klebt. Ohne Hilfsstoff zu tablettieren ist aufwendiger.
Warum steht bei MSM kein Prozentwert?
Weil für Schwefel kein Nährstoffbezugswert festgelegt ist. Ein Sternchen ist dort korrekt.
Wie fange ich an?
Mit der halben Menge, nach etwa einer Woche steigern. Und ausreichend trinken.
Wichtig: Nicht geeignet für Kinder, Schwangere und Stillende. Bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten und bei eingeschränkter Nierenfunktion gehört die Anwendung vorher ärztlich abgeklärt. Anhaltende Beschwerden an Gelenken oder Haut gehören ärztlich untersucht und nicht mit Nahrungsergänzung behandelt. Die angegebene empfohlene Verzehrmenge nicht überschreiten.
Für MSM sind nach EU-Recht keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.