Wenn von Mineralstoffen die Rede ist, fällt der Name selten. Magnesium, Calcium, Eisen – Schwefel steht auf kaum einer Liste. Dabei gehört er zu den Mengenelementen und ist im Körper reichlicher vertreten als Magnesium oder Eisen. Was er dort tut, lässt sich an einer Dauerwelle erklären.
Ein Mengenelement, das niemand nennt
Mineralstoffe teilen sich in zwei Gruppen. Mengenelemente – Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor, Chlorid und eben Schwefel – sind im Körper in größeren Mengen vorhanden. Spurenelemente wie Eisen, Zink oder Selen kommen in weit kleineren Mengen vor.
Schwefel steht damit in derselben Reihe wie Calcium. Nach Calcium und Phosphor ist er das dritthäufigste Mineral im menschlichen Körper.
Trotzdem taucht er auf kaum einer Nährwerttabelle auf. Der Grund ist regulatorischer Natur: Für Schwefel wurde nie ein Nährstoffbezugswert festgelegt. Er gilt über eiweißhaltige Lebensmittel als ausreichend verfügbar – also gibt es keinen Prozentwert, auf den man sich beziehen könnte.
Was nicht bemessen wird, wird auch nicht besprochen. Das erklärt die Lücke.
Wo Schwefel im Körper sitzt
Der Körper nimmt Schwefel nicht als Element auf, sondern gebunden – vor allem über zwei Aminosäuren:
Methionin ist eine essenzielle Aminosäure, die der Körper nicht selbst bilden kann. Sie muss über die Nahrung kommen.
Cystein kann aus Methionin gebildet werden und trägt den Schwefel in eine besonders wichtige Rolle hinein.
Über diese beiden gelangt Schwefel in die Strukturproteine des Körpers:
- Keratin – der Baustoff von Haaren, Nägeln und der obersten Hautschicht
- Kollagen – der Baustoff von Bindegewebe, Knorpel, Sehnen und Haut
Daneben findet sich Schwefel in Glutathion, in mehreren Enzymen, in Heparin und in Vitaminen wie Biotin und Thiamin. Überall dort, wo Struktur und Reaktionsfähigkeit gefragt sind.
Kurz gesagt: Schwefel ist kein Energielieferant und kein Signalstoff, sondern Baumaterial. Er hält Proteine in Form.
Die Schwefelbrücke – und die Dauerwelle
Hier wird es anschaulich. Zwei Schwefelatome können sich miteinander verbinden und dabei eine Brücke bilden, die zwei Abschnitte eines Eiweißmoleküls zusammenhält.
Diese Schwefelbrücken geben Proteinen ihre dreidimensionale Form. Ein Protein ist keine schlaffe Kette, sondern ein gefaltetes Gebilde – und die Faltung wird unter anderem durch solche Brücken fixiert.
Am eigenen Kopf lässt sich das beobachten. Bei einer Dauerwelle werden genau diese Brücken im Haarkeratin chemisch geöffnet, das Haar in die gewünschte Form gebracht und die Brücken anschließend an neuer Stelle wieder geschlossen.
Dass die Locke danach hält, liegt am Schwefel. Und dass sie herauswandert, liegt daran, dass neu nachwachsendes Haar seine ursprünglichen Brücken mitbringt.
Derselbe Mechanismus erklärt, warum Haare so widerstandsfähig sind: Keratin ist besonders reich an Cystein, also besonders reich an Schwefelbrücken.
Warum verbrannte Haare so riechen
Der charakteristische Geruch verbrannter Haare oder Federn kommt vom Schwefel im Keratin – beim Verbrennen entstehen flüchtige Schwefelverbindungen.
Derselbe Stoffgruppe verdanken auch andere Gerüche ihre Wirkung:
- Zwiebeln und Knoblauch – schwefelhaltige Verbindungen, die beim Schneiden freigesetzt werden
- Kohl und Brokkoli beim Kochen
- Der Geruch faulender Eier
MSM selbst ist dagegen geruchs- und geschmacksneutral. Das ist bemerkenswert, weil es aus DMSO gewonnen wird – einem Lösungsmittel mit ausgeprägtem Eigengeruch. Die Oxidation zum MSM nimmt ihn.
Genau darauf beruht, dass sich MSM als Nahrungsergänzung durchgesetzt hat und DMSO nicht.

2.000 mg MSM, daraus rund 680 mg elementarer Schwefel – an Kohlenstoff gebunden, nicht als Sulfatsalz. Mit 12 mg Vitamin C aus Acerola: Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung bei.
MSM 2000 mg + Acerola
Zum Produkt →Wo Schwefel in der Nahrung steckt
Weil Schwefel über Aminosäuren aufgenommen wird, folgt die Verteilung dem Eiweiß:
Tierische Quellen – Eier (besonders das Eiklar), Fleisch, Fisch, Milchprodukte. Eier gelten als die ergiebigste überhaupt.
Pflanzliche Quellen – Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen sowie zwei Gemüsefamilien mit eigener Schwefelchemie: Zwiebelgewächse (Zwiebel, Knoblauch, Lauch) und Kreuzblütler (Kohl, Brokkoli, Rettich, Senf).
Diese beiden Familien bilden schwefelhaltige Verbindungen, die über den reinen Eiweißgehalt hinausgehen – und die man riecht.
MSM selbst kommt ebenfalls in Lebensmitteln vor, allerdings in sehr kleinen Mengen: in Milch, Kaffee, Tee, Tomaten, Bier und grünem Gemüse. Es ist zudem flüchtig – Erhitzen, Trocknen und lange Lagerung reduzieren den Gehalt zusätzlich.
Der Kreislauf, der im Meer beginnt
Wie kommt MSM überhaupt in eine Tomate? Über einen Weg, der überraschend weit führt.
Am Anfang stehen Meeresalgen, die schwefelhaltige Verbindungen bilden und an das Wasser abgeben. Von dort gelangen sie als Gas in die Atmosphäre, wo sie durch Sonnenlicht umgewandelt werden – unter anderem zu MSM.
Mit dem Regen kehren diese Verbindungen auf die Landmassen zurück, gelangen in den Boden und von dort in die Pflanzen.
Nebenbei spielen dieselben Algenverbindungen eine Rolle bei der Wolkenbildung über den Ozeanen – sie wirken als Kondensationskeime. Und sie sind ein Teil dessen, was man als Meeresgeruch wahrnimmt.
Bestes MSM – warum die Milligrammzahl nicht reicht →
Was zu Schwefel nicht gesagt werden darf
So zentral die Rolle im Körper auch ist – lebensmittelrechtlich ändert das nichts.
Für Schwefel und für MSM ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Kein Hersteller darf schreiben, was der Stoff im Körper bewirkt – auch nicht mit Verweis auf Keratin oder Kollagen.
Was zulässig ist: die Angaben eines zugesetzten Nährstoffs, der die Mindestmenge erreicht. Bei MSM-Präparaten ist das häufig Vitamin C mit der Angabe zur normalen Kollagenbildung. Diese Angabe gehört dem Vitamin C.
Der Unterschied ist nicht sprachliche Kosmetik: Die eine Formulierung ist geprüft und zugelassen, die andere nicht.
Häufige Fragen
Ist Schwefel ein Mineralstoff?
Ja, und zwar ein Mengenelement – in derselben Gruppe wie Calcium und Magnesium.
Wie viel Schwefel steckt im Körper?
Nach Calcium und Phosphor ist er das dritthäufigste Mineral.
Über welche Aminosäuren wird er aufgenommen?
Vor allem Methionin und Cystein. Methionin ist essenziell und muss über die Nahrung kommen.
Was sind Schwefelbrücken?
Verbindungen zwischen zwei Schwefelatomen, die Eiweißmoleküle in Form halten. Bei einer Dauerwelle werden sie geöffnet und neu geschlossen.
Warum riechen Zwiebeln und Kohl so?
Beide Pflanzenfamilien bilden schwefelhaltige Verbindungen, die beim Schneiden oder Kochen frei werden.
Riecht MSM nach Schwefel?
Nein, es ist geruchsneutral – anders als das DMSO, aus dem es gewonnen wird.
Welche Lebensmittel enthalten viel Schwefel?
Eier, Fleisch, Fisch, Milchprodukte sowie Hülsenfrüchte, Zwiebelgewächse und Kohlarten.
Warum steht Schwefel auf keiner Nährwerttabelle?
Weil kein Nährstoffbezugswert festgelegt wurde – es gibt keinen Prozentwert, auf den man sich beziehen könnte.
Wichtig: Nicht geeignet für Kinder, Schwangere und Stillende. Bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten und bei eingeschränkter Nierenfunktion gehört die Anwendung schwefelhaltiger Ergänzungsmittel vorher ärztlich abgeklärt. Brüchige Nägel, Haarausfall oder anhaltende Hautveränderungen haben viele mögliche Ursachen und gehören ärztlich abgeklärt, statt sie mit Nahrungsergänzung zu behandeln.
Für MSM und Schwefel sind nach EU-Recht keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.