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Säure-Basen-Haushalt: Die einzige zugelassene Angabe – und viele Mythen

Kaum ein Begriff aus der Nahrungsergänzung ist so verbreitet und zugleich so unscharf wie die Übersäuerung. Dieser Beitrag trennt, was der Körper tatsächlich tut, von dem, was ihm zugeschrieben wird – und nennt die einzige Nährstoffangabe, die in diesem Bereich zugelassen ist.

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Was der Körper mit Säuren macht

Der pH-Wert des Blutes wird in einem außerordentlich engen Bereich gehalten – zwischen etwa 7,35 und 7,45. Diese Konstanz ist keine Nebensächlichkeit, sondern eine Grundvoraussetzung: Enzyme arbeiten nur in einem definierten pH-Fenster.

Dafür unterhält der Körper mehrere Systeme, die parallel wirken:

System Wirkt Zeitfenster
Puffer im Blut, vor allem Bicarbonat chemisch, sofort Sekunden
Atmung Abatmen von Kohlendioxid Minuten
Nieren Ausscheidung über den Urin Stunden bis Tage

Deshalb schwankt der Urin-pH im Tagesverlauf erheblich – er ist Ausdruck davon, dass die Regulation funktioniert, und nicht Ausdruck eines Zustands im Körper. Nach einer proteinreichen Mahlzeit fällt er, nach Gemüse steigt er.

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Zu „Schlacken“ und „Entgiftung“

Der Begriff Schlacke stammt aus der Metallverhüttung und beschreibt dort die Rückstände beim Schmelzen von Erz. Eine entsprechende Substanz im menschlichen Körper ist nicht beschrieben.

Entsprechend gibt es im Lebensmittelrecht auch keine zugelassene Angabe zu Entschlackung, Entgiftung oder Entsäuerung. Produkte, die damit werben, bewegen sich außerhalb des zulässigen Rahmens.

Das heißt nicht, dass die Zusammensetzung der Ernährung gleichgültig wäre. Es heißt, dass der Vorgang anders funktioniert, als die Bildsprache nahelegt: Es gibt keinen Ablagerungsvorrat, der sich ausleiten ließe.

Kurz gesagt: Ein Produkt, das mit Entschlackung oder Entgiftung wirbt, verwendet unzulässige Aussagen. Ein Produkt, das seine Mineralstoffe mit Menge und NRV deklariert, lässt sich dagegen bewerten.

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Die einzige zugelassene Angabe – und sie gehört dem Zink

Zum Säure-Basen-Haushalt existiert genau eine geprüfte gesundheitsbezogene Angabe:

  • Zink trägt zu einem normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei.

Das ist bemerkenswert wenig für eine ganze Produktkategorie. Weder Calcium noch Magnesium, Kalium oder Bicarbonat tragen eine Angabe mit Säure-Basen-Bezug.

Diese Nährstoffe können andere zugelassene Angaben tragen – Magnesium etwa zum Elektrolytgleichgewicht, Calcium zur Muskelfunktion, Kalium zum Blutdruck. Nur eben nicht die, um die es bei einem „Basenprodukt“ dem Namen nach geht.

Die Schwelle für die Zink-Angabe liegt bei 15 Prozent des Bezugswerts, also bei 1,5 mg.

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Säure- und basenbildende Lebensmittel

Was sich sachlich beschreiben lässt, ist die potenzielle Säurelast eines Lebensmittels – ein rechnerischer Wert dafür, ob bei seiner Verstoffwechselung eher Säuren oder Basen anfallen, die die Nieren ausscheiden.

Eher säurebildend Eher basenbildend
Fleisch, Wurst, Fisch Gemüse aller Art
Hartkäse Obst
Getreideprodukte Kartoffeln
Eier Trockenobst

Eine Beobachtung dazu: Diese Einteilung führt zu derselben Empfehlung wie jede andere ernährungswissenschaftliche Betrachtung – mehr Gemüse, mehr Obst, mehr Hülsenfrüchte. Der Umweg über die Säure-Basen-Sprache ist dabei nicht nötig, aber er führt zufallsweise nicht in die Irre.

Ein Klassiker der Verwirrung: Zitronen schmecken sauer, gelten aber als basenbildend. Der Geschmack sagt nichts über die Verstoffwechselung aus.

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pH-Teststreifen – was sie zeigen und was nicht

Teststreifen für den Urin werden häufig zusammen mit Basenprodukten verkauft. Sie messen zuverlässig, was sie messen sollen – den pH-Wert des Urins.

Nur lässt dieser Wert keinen Rückschluss auf einen Körperzustand zu. Er schwankt über den Tag, hängt von der letzten Mahlzeit ab und ist morgens typischerweise niedriger als nachmittags. Ein niedriger Wert zeigt, dass die Nieren Säuren ausscheiden – also dass die Regulation arbeitet.

Wer den eigenen Säure-Basen-Status medizinisch beurteilt haben möchte, braucht eine Blutgasanalyse. Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt und nicht mit Teststreifen gedeutet.

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Wichtig: Basenprodukte enthalten häufig größere Mengen Kalium, Calcium und Magnesium. Bei eingeschränkter Nierenfunktion, bei Einnahme blutdrucksenkender Medikamente und bei Herzerkrankungen gehört die Anwendung ärztlich abgeklärt – insbesondere wegen des Kaliumgehalts.

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Häufige Fragen

Gibt es Übersäuerung?
Der Blut-pH wird in einem engen Bereich konstant gehalten. Eine krankhafte Verschiebung ist ein medizinischer Notfall und kein Ernährungsthema.

Was sind Schlacken?
Ein Begriff aus der Metallverhüttung. Eine entsprechende Substanz im Körper ist nicht beschrieben, und zugelassene Angaben zur Entschlackung existieren nicht.

Welche Angabe ist zum Säure-Basen-Haushalt zugelassen?
Nur eine: Zink trägt zu einem normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei.

Sagen pH-Teststreifen etwas aus?
Sie messen den Urin-pH, der über den Tag stark schwankt. Ein Rückschluss auf einen Körperzustand lässt sich daraus nicht ziehen.

Ist die Zitrone säure- oder basenbildend?
Basenbildend, obwohl sie sauer schmeckt. Der Geschmack sagt nichts über die Verstoffwechselung.

Was bringt eine basenreiche Ernährung?
Sie führt zu mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten – also zu dem, was auch ohne den Säure-Basen-Umweg empfohlen wird.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Einnahme von Medikamenten vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen.

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