Kaum eine Produktkategorie wird so eindeutig beworben – und kaum eine hat so wenig rechtliche Grundlage dafür. Für die drei Pflanzen, um die es hier geht, gibt es keine einzige zugelassene Angabe.
Was nicht gesagt werden darf
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für botanische Stoffe kaum eine Angabe zugelassen. In dieser Kategorie betrifft das:
- Kürbiskern – keine zugelassene Angabe
- Sägepalme (Serenoa repens) – keine zugelassene Angabe
- Brennnesselwurzel – keine zugelassene Angabe
- Aussagen zu Blasenfunktion, Harndrang oder nächtlichem Wasserlassen – für Lebensmittel generell unzulässig
Hinzu kommt ein zweiter Punkt: Aussagen, die sich auf ein Organ beziehen und dabei eine Beschwerde nahelegen, gelten schnell als krankheitsbezogen. Das gilt unabhängig davon, ob der Stoff wirkt – es geht um die Form der Aussage.
Kurz gesagt: Steht auf einem Produkt dieser Kategorie eine Wirkaussage, gehört sie zu einem zugesetzten Nährstoff – meist zu Zink, Selen oder Vitamin E. Nicht zur Pflanze auf der Vorderseite.
Zink – die Angabe, um die es hier geht
Unter allen Spurenelementen trägt Zink die meisten zugelassenen Angaben – über ein Dutzend. Zwei davon sind in diesem Umfeld die relevanten:
Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei.
Zink trägt zur normalen Fruchtbarkeit und Fortpflanzung bei.
Beide gelten ab 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts, also ab 1,5 mg. Das ist eine Menge, die jedes ernst gemeinte Produkt überschreitet.
Bemerkenswert ist auch hier, was der Satz nicht sagt: Er verspricht keine Steigerung, sondern beschreibt die Erhaltung eines normalen Werts. Mehr gibt der zugelassene Rahmen nicht her.
Selen und Vitamin E
Zwei weitere Nährstoffe tragen Angaben, die in dieser Kategorie genannt werden dürfen:
| Nährstoff | Zugelassene Angabe |
|---|---|
| Zink | Testosteronspiegel, Fruchtbarkeit und Fortpflanzung, Zellteilung, Zellschutz |
| Selen | normale Spermabildung, Schilddrüsenfunktion, Zellschutz |
| Vitamin E | Schutz der Zellen vor oxidativem Stress |
Selen ist dabei der einzige Nährstoff mit einer Angabe zur Spermabildung. Sie gilt ab 15 Prozent des Bezugswerts, also ab 8,25 µg.

350 mg Kürbiskern-, 160 mg Sägepalmen- und 60 mg Brennnesselwurzelextrakt in einer Kapsel. Dazu Zink, Selen und natürliches Vitamin E – in Mengen, die neben einem Multivitamin bestehen können.
Kürbiskern & Sägepalme Komplex
Zum Produkt →Extrakt oder gemahlene Kerne?
Wenn die Pflanzen selbst keine Aussage tragen dürfen, bleibt die Frage: Woran erkennt man ein sorgfältig gemachtes Produkt? Der erste Punkt ist die Verarbeitungsform.
Gemahlene Kürbiskerne bestehen zum größten Teil aus Fett und Eiweiß. Sie sehen auf der Zutatenliste gut aus, benötigen für dieselbe Menge an Inhaltsstoffen aber mehrere Gramm – und damit vier bis fünf Kapseln statt einer.
Ein Extrakt lässt Fett und Eiweiß zurück und konzentriert die übrigen Bestandteile. Der Preis dafür: Er bildet nicht das ganze Korn ab.
Aussagekräftig ist der Extraktanteil am Kapselinhalt. Liegt er niedrig, füllt überwiegend Trägermaterial die Kapsel.
Worauf sich sonst achten lässt
Der Pflanzenteil. Bei der Brennnessel werden Blatt und Wurzel getrennt verwendet – sie enthalten unterschiedliche Stoffgruppen und wurden in der Kräuterkunde nie vermischt. Steht nur „Brennnessel“ auf dem Etikett, bleibt offen, welcher Teil verarbeitet wurde.
Die Vitamin-E-Form. Die natürliche D-Form wird besser verwertet als die synthetische DL-Form. Erkennbar ist der Unterschied am Buchstaben vor dem Namen – eine Angabe, die kaum jemand liest.
Die Zinkmenge. Hier ist mehr nicht besser: 25 mg entsprechen bereits der tolerierbaren Gesamtaufnahme aus allen Quellen. Ein Produkt, das darunter bleibt, lässt sich neben einem Multivitamin einnehmen.
Die botanische Art. Bei der Sägepalme ist es Serenoa repens, eine niedrige Fächerpalme aus dem Südosten der USA. Geerntet wird bis heute von Hand, weil die Bestände dicht und dornig stehen; die Ernte ist in Florida saisonal geregelt und genehmigungspflichtig.

Zink an zwei Glycin-Moleküle gebunden, dadurch auch nüchtern bekömmlich. Ohne Überzug und damit teilbar – für alle, die neben anderen Produkten dosieren möchten.
Zink Bisglycinat 25 mg
Zum Produkt →Mehr Informationen zum Produktvergleich →
Was ein Produkt hier leisten kann – und was nicht
Ein Nahrungsergänzungsmittel liefert Nährstoffe. Es behandelt keine Beschwerden und beeinflusst kein Organ in eine gewünschte Richtung – beides wäre krankheitsbezogen und für Lebensmittel unzulässig.
Ein zeitlicher Punkt gehört dazu: Die Spermienbildung dauert von der ersten Vorläuferzelle bis zur reifen Zelle rund zweieinhalb Monate. Was heute an Nährstoffen ankommt, wirkt sich in diesem Zeitmaß aus – eine Beurteilung nach zwei Wochen kommt zu früh.
Wichtig: Veränderungen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt und nicht mit einem Präparat überdeckt. Ab dem 45. Lebensjahr besteht in Deutschland Anspruch auf eine jährliche Früherkennungsuntersuchung – dieser Beitrag ersetzt sie nicht.
Häufige Fragen
Darf mit Kürbiskern oder Sägepalme geworben werden?
Nein. Für beide existiert keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe.
Welche Angabe gibt es zum Testosteronspiegel?
Nur eine: Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei.
Welcher Nährstoff betrifft die Spermabildung?
Selen – es ist der einzige mit einer zugelassenen Angabe dazu.
Blatt oder Wurzel bei der Brennnessel?
In dieser Kategorie wird die Wurzel verwendet. Blätter enthalten ein anderes Stoffmuster.
Wie viel Zink ist sinnvoll?
25 mg entsprechen der tolerierbaren Gesamtaufnahme aus allen Quellen. Mehrere zinkhaltige Produkte parallel sollten vermieden werden.
Wie lange dauert es, bis sich etwas zeigt?
Bei allem, was mit der Spermienbildung zusammenhängt, gilt ein Zeitmaß von etwa zweieinhalb Monaten.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.