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Nachtschattengewächse: Von der Kartoffel bis zur Tollkirsche

Tomate, Kartoffel, Paprika, Aubergine, Tabak, Tollkirsche und Ashwagandha gehören zur selben Pflanzenfamilie. Eine Familie, in der Grundnahrungsmittel und tödliche Giftpflanzen nebeneinander stehen – und das hat einen gemeinsamen Grund.

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Rund 2.700 Arten

Die Familie der Nachtschattengewächse – botanisch Solanaceae – umfasst etwa 2.700 Arten. Der Schwerpunkt liegt in Mittel- und Südamerika, Vertreter finden sich aber auf allen Kontinenten außer der Antarktis.

Was die Familie zusammenhält, sind Merkmale des Blütenbaus: fünf verwachsene Blütenblätter, fünf Staubblätter, ein oberständiger Fruchtknoten. Wer einmal eine Kartoffelblüte und eine Tomatenblüte nebeneinander gesehen hat, erkennt die Verwandtschaft sofort.

Die Spannweite der Nutzung ist bemerkenswert:

  • Grundnahrungsmittel – Kartoffel, Tomate, Paprika, Aubergine
  • Genussmittel – Tabak
  • Zierpflanzen – Petunie, Engelstrompete
  • Arzneipflanzen – Tollkirsche, Stechapfel, Bilsenkraut
  • Traditionell verwendete Pflanzen – Ashwagandha, Physalis
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Der gemeinsame Nenner: Alkaloide

Was diese Familie chemisch auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, Alkaloide zu bilden – stickstoffhaltige Verbindungen mit ausgeprägter biologischer Aktivität.

Für die Pflanze sind sie Fraßschutz. Sie schmecken bitter und schrecken Insekten und Tiere ab.

Die bekanntesten:

Solanin – in grünen Kartoffelstellen, in Keimen und in unreifen Tomaten. Der Grund für die Regel, grüne Stellen großzügig wegzuschneiden.

Nikotin – im Tabak, in kleinsten Mengen auch in Tomate und Aubergine.

Atropin und Scopolamin – in Tollkirsche und Stechapfel. Beide sind in geringen Dosen medizinisch verwendbar und in größeren lebensgefährlich.

Capsaicin – in Chili, streng genommen kein Alkaloid, aber ebenfalls ein Fraßschutzstoff. Es macht Schärfe, die Vögel nicht wahrnehmen – sie verbreiten die Samen, Säugetiere fressen sie nur zerkaut.

Withanolide – in Ashwagandha und verwandten Arten. Chemisch Steroidlactone, eine Stoffgruppe, die fast ausschließlich in dieser Familie vorkommt.

Kurz gesagt: Die Familie ist nicht deshalb interessant, weil ihre Pflanzen giftig wären, sondern weil sie besonders vielfältige biologisch aktive Stoffe bildet – in sehr unterschiedlichen Mengen.

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Warum Europa der Tomate misstraute

Als die Spanier im 16. Jahrhundert Tomate und Kartoffel aus Amerika mitbrachten, wurden beide in Europa über Jahrhunderte nicht gegessen.

Der Grund war botanisches Wissen: Die Pflanzen ähnelten der heimischen Tollkirsche – im Wuchs, in den Blüten, in den Früchten. Wer wusste, wie gefährlich die Tollkirsche ist, hielt Abstand.

Die Tomate galt lange als Zierpflanze. Die Kartoffel setzte sich in Mitteleuropa erst im 18. Jahrhundert durch, und auch dann nur mit Nachdruck von oben – die preußischen Kartoffelbefehle sind ein bekanntes Beispiel.

Die Skepsis war nicht unbegründet: Kartoffelkraut und grüne Knollen sind tatsächlich giftig. Essbar ist nur die ausgereifte, nicht gekeimte Knolle. Dass in derselben Pflanze beides steckt, musste erst gelernt werden.

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Warum der Pflanzenteil so viel ausmacht

Hier liegt die Erkenntnis, die über die Botanik hinausreicht.

Innerhalb einer einzigen Pflanze können die Alkaloidgehalte um ein Vielfaches auseinanderliegen. Bei der Kartoffel ist die Knolle Nahrungsmittel und das Kraut giftig. Bei der Tomate gilt dasselbe für Frucht und Blätter.

Auf botanische Ergänzungsmittel übertragen heißt das: Die Angabe des Pflanzenteils ist keine Nebensache.

Bei Ashwagandha wird traditionell die Wurzel verwendet. Blätter enthalten ein anderes Stoffmuster – unter anderem einen höheren Anteil bestimmter Withanolide – und wurden in der ayurvedischen Tradition für andere Zwecke genutzt.

Wo auf einem Etikett nur der Pflanzenname ohne Teilangabe steht, fehlt damit eine Information, die bei dieser Familie besonders wiegt.

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Zur Debatte um Nachtschattengewächse

In den vergangenen Jahren kursiert die Empfehlung, Nachtschattengewächse zu meiden – wegen der Alkaloide.

Dazu lässt sich sachlich sagen: In reifen, handelsüblichen Gemüsen liegen die Alkaloidgehalte sehr niedrig. Der Solaningehalt einer reifen, nicht gekeimten Kartoffel bewegt sich in einer anderen Größenordnung als der von Kraut oder grünen Stellen.

Die praktischen Regeln daraus sind bekannt und unstrittig: grüne Stellen und Keime großzügig entfernen, Kartoffeln dunkel und kühl lagern, unreife Tomaten nicht roh essen.

Ob darüber hinaus ein Verzicht sinnvoll ist, ist eine Frage, die in die individuelle Ernährungsberatung gehört – und keine, die sich pauschal beantworten lässt. Wer eine Unverträglichkeit vermutet, klärt das ärztlich ab, statt Lebensmittelgruppen auf Verdacht zu streichen.

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Häufige Fragen

Welche Pflanzen gehören zu den Nachtschattengewächsen?
Unter anderem Tomate, Kartoffel, Paprika, Aubergine, Tabak, Tollkirsche, Physalis und Ashwagandha.

Warum ist die Familie so unterschiedlich?
Weil ihre Arten Alkaloide bilden – in sehr unterschiedlichen Mengen und Zusammensetzungen.

Was ist Solanin?
Ein Alkaloid in grünen Kartoffelstellen, Keimen und unreifen Tomaten. Deshalb die Regel, grüne Stellen wegzuschneiden.

Warum aß man Tomaten in Europa lange nicht?
Wegen der Ähnlichkeit zur heimischen Tollkirsche. Die Skepsis war botanisch begründet.

Was sind Withanolide?
Steroidlactone, die charakteristische Stoffgruppe von Withania. Sie kommen fast ausschließlich in dieser Pflanzenfamilie vor.

Warum ist der Pflanzenteil so wichtig?
Weil die Alkaloidgehalte innerhalb einer Pflanze stark schwanken – bei der Kartoffel ist die Knolle Nahrungsmittel und das Kraut giftig.

Sind Nachtschattengewächse ungesund?
In reifen, handelsüblichen Gemüsen liegen die Alkaloidgehalte sehr niedrig. Ein pauschaler Verzicht lässt sich daraus nicht ableiten.

Warum ist Chili scharf?
Capsaicin dient als Fraßschutz gegen Säugetiere. Vögel nehmen die Schärfe nicht wahr und verbreiten die Samen.

Wichtig: Grüne Stellen und Keime an Kartoffeln gehören großzügig entfernt, stark gekeimte Knollen nicht mehr verwendet. Tollkirsche, Stechapfel und Bilsenkraut sind hochgiftig und keinesfalls zur Selbstanwendung geeignet. Wer eine Unverträglichkeit gegenüber Nachtschattengewächsen vermutet, lässt das ärztlich abklären, statt Lebensmittelgruppen eigenmächtig zu streichen. Botanische Ergänzungsmittel aus dieser Familie sind für Schwangere, Stillende und Kinder in aller Regel nicht geeignet.

Für Ashwagandha sind nach EU-Recht keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

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