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Ashwagandha: Pulver oder Extrakt – warum die Zahlen nicht vergleichbar sind

Auf einer Packung stehen 1.800 mg, auf der daneben 300 mg. Beide können dasselbe bedeuten – und beide können etwas völlig anderes bedeuten. Der Unterschied heißt Pulver oder Extrakt, und er wird auf kaum einem Etikett erklärt.

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Zwei Maßstäbe, die nichts miteinander zu tun haben

Pulver ist die getrocknete, gemahlene Wurzel. Nichts wird herausgelöst, nichts konzentriert. Entsprechend hoch fällt die Menge aus – üblich sind 1.000 bis 2.000 mg täglich.

Extrakt zieht bestimmte Bestandteile aus einer größeren Menge Rohstoff heraus und konzentriert sie. Entsprechend niedriger liegt die Menge – üblich sind 300 bis 600 mg.

Damit sind 1.800 mg Pulver und 300 mg Extrakt keine Gegensätze, sondern zwei verschiedene Maßstäbe. Wer die Zahlen direkt vergleicht, vergleicht Kilogramm mit Litern.

Erkennbar ist der Unterschied nur in der Zutatenliste. Dort steht entweder „Ashwagandha-Wurzelpulver" oder „Ashwagandha-Extrakt", meist mit einer Verhältnisangabe wie 10:1.

Kurz gesagt: Die Milligrammzahl auf der Vorderseite sagt ohne die Information „Pulver oder Extrakt" gar nichts aus.

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Withanolide – die zweite Zahl bei Extrakten

Bei Extrakten kommt eine weitere Angabe hinzu, ohne die auch das Extraktverhältnis wenig aussagt.

Withanolide sind die charakteristische Stoffgruppe der Pflanze – namensgebend für die Gattung Withania. Chemisch sind es Steroidlactone, Verbindungen, die in dieser Form fast nur bei Nachtschattengewächsen vorkommen.

In der Wurzel liegen sie im niedrigen einstelligen Prozentbereich vor. Extrakte werden auf diesen Anteil standardisiert – also gezielt auf einen bestimmten Withanolidgehalt eingestellt, meist 2,5 oder 5 Prozent.

Daraus folgt die Rechnung, die beim Vergleich zweier Extrakte zählt:

  • 500 mg Extrakt mit 2,5 Prozent ergeben 12,5 mg Withanolide
  • 300 mg Extrakt mit 5 Prozent ergeben 15 mg

Der kleinere Extrakt liefert also mehr. Fehlt die Standardisierungsangabe, lässt sich das nicht einordnen – dann ist das Extraktverhältnis eine Zahl ohne Bezugsgröße.

Bei Pulverprodukten entfällt diese Frage: Dort liegen die Withanolide in der Menge vor, in der die Pflanze sie bildet.

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Wurzel oder Blatt

Die dritte Angabe, die auf vielen Etiketten fehlt, betrifft den Pflanzenteil.

In der ayurvedischen Tradition wird ausschließlich die Wurzel verwendet. Sie wird nach etwa acht Monaten geerntet und getrocknet.

Blätter enthalten ein anderes Stoffmuster – unter anderem einen höheren Anteil bestimmter Withanolide – und wurden traditionell für andere Zwecke genutzt. Blattmaterial ist zudem billiger, weil es beim Ernten anfällt.

Manche Extrakte arbeiten deshalb mit Wurzel-Blatt-Mischungen. Das ist nicht verboten und wird auch nicht immer verschwiegen – aber es steht selten deutlich da.

Wo nur „Ashwagandha" ohne Pflanzenteil steht, bleibt offen, was verarbeitet wurde.

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Warum die Anbauqualität bei Wurzeln mehr wiegt

Wurzeln stehen in direktem Kontakt mit dem Boden und nehmen auf, was dort vorhanden ist – Nährstoffe ebenso wie Rückstände und Schwermetalle.

Das Hauptanbaugebiet liegt in Indien, wo die Kontrolle konventioneller Flächen sehr unterschiedlich ausfällt.

Bei einem Pulverprodukt hat das mehr Gewicht als bei einem Extrakt: Bei gemahlener Wurzel wandert alles unverändert in die Kapsel. Bei einem Extrakt bleibt ein Teil im Prozess zurück – je nach Lösungsmittel und Verfahren unterschiedlich viel.

Eine Bio-Zertifizierung bedeutet Anbau ohne synthetische Pestizide und Mineraldünger, dokumentierte Lieferketten und regelmäßige Kontrolle durch eine zugelassene Öko-Kontrollstelle. Bei einer Wurzelpflanze aus Übersee ist das eine andere Größenordnung als bei heimischem Gemüse.

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1.800 mg Wurzelpulver aus Withania somnifera, kontrolliert biologischer Anbau. Zwei Zutaten, kein Blattanteil, botanischer Name deklariert.

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Die Checkliste

Vier Angaben machen zwei Ashwagandha-Produkte vergleichbar:

1. Pulver oder Extrakt?
Ohne diese Information sagt die Milligrammzahl nichts.

2. Bei Extrakten: welches Verhältnis und welche Standardisierung?
10:1 allein genügt nicht – der Withanolidgehalt gehört dazu.

3. Welcher Pflanzenteil?
Wurzel, Blatt oder Mischung. Steht nur „Ashwagandha", bleibt es offen.

4. Botanischer Name und Herkunft?
Withania somnifera gehört aufs Etikett, ebenso eine Angabe zum Anbau.

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Was über Ashwagandha nicht gesagt werden darf

Dieser Punkt ist bei Ashwagandha besonders relevant, weil im Netz das Gegenteil den Ton angibt.

Für Ashwagandha ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Nicht eine. Das gilt unabhängig davon, was in Untersuchungen betrachtet wurde und unabhängig von der jahrhundertelangen Anwendung im Ayurveda.

Konkret heißt das: Aussagen zu Stress, Cortisol, Schlaf, Nerven oder Belastbarkeit dürfen nicht mit Ashwagandha verknüpft werden. Wo eine Produktseite so wirbt, bewegt sie sich außerhalb des zulässigen Rahmens.

Auch der Begriff Adaptogen ist keine zugelassene Kategorie. Er stammt aus der sowjetischen Pflanzenforschung der 1940er Jahre und beschreibt eine Vorstellung, keine geprüfte Eigenschaft.

In der Nährwerttabelle steht bei Ashwagandha entsprechend ein Sternchen mit dem Hinweis, dass keine Nährstoffbezugswerte bekannt sind – kein Prozentwert.

Das ist ein brauchbares Prüfkriterium: Wer die Grenze bei den Angaben nicht einhält, nimmt es erfahrungsgemäß auch bei der Deklaration nicht genau – also bei genau den vier Punkten aus der Checkliste.

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Die Pflanze hinter dem Namen

Withania somnifera ist ein Nachtschattengewächs – verwandt mit Tomate, Kartoffel, Paprika und Physalis. Wie die Physalis trägt sie ihre leuchtend roten Beeren in einer papierartigen Hülle, weshalb sie im Englischen Winter Cherry heißt.

Im Deutschen ist sie als Schlafbeere bekannt. Der botanische Artname somnifera bedeutet schlafbringend.

Der Name Ashwagandha stammt aus dem Sanskrit: ashva für Pferd, gandha für Geruch. Gemeint ist der strenge, erdige Geruch der frischen Wurzel, der tatsächlich an einen Stall erinnert – nach verbreiteter Deutung zugleich ein Hinweis auf die Kraft eines Pferdes.

Beheimatet ist die Pflanze in trockenen Regionen Indiens, Pakistans und Sri Lankas. Sie wächst als niedriger Strauch mit unscheinbaren grünlichen Blüten.

Cortisol im Alltag – was der Wert bedeutet →

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pulver und Extrakt?
Pulver ist die gemahlene Wurzel, Extrakt konzentriert bestimmte Bestandteile daraus. Die Mengenangaben sind nicht vergleichbar.

Was sind Withanolide?
Die charakteristische Stoffgruppe der Pflanze. Extrakte werden auf ihren Anteil standardisiert, meist auf 2,5 oder 5 Prozent.

Welcher Pflanzenteil wird traditionell verwendet?
Die Wurzel. Blätter haben ein anderes Stoffmuster und werden traditionell für andere Zwecke genutzt.

Wie viel Ashwagandha ist üblich?
Bei Pulver 1.000 bis 2.000 mg täglich, bei Extrakten 300 bis 600 mg – je nach Standardisierung.

Warum ist Bio bei Wurzeln relevanter?
Weil Wurzeln aufnehmen, was im Boden ist, und bei gemahlener Wurzel alles unverändert in die Kapsel wandert.

Was heißt Adaptogen?
Ein Begriff aus der sowjetischen Pflanzenforschung der 1940er Jahre. Er ist keine zugelassene lebensmittelrechtliche Kategorie.

Warum riecht Ashwagandha so streng?
Der Sanskrit-Name verweist genau darauf: „Geruch des Pferdes", bezogen auf die frische Wurzel.

Was darf ein Hersteller über Ashwagandha sagen?
Nichts zur Wirkung. In der EU ist dafür keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.

Wichtig: Ashwagandha ist nicht geeignet für Schwangere, Stillende und Kinder. Bei Schilddrüsenerkrankungen, bei Autoimmunerkrankungen sowie bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten – insbesondere Schilddrüsenhormonen, Beruhigungsmitteln und Immunsuppressiva – gehört die Anwendung vorher ärztlich abgeklärt. Vor geplanten Operationen ist ärztlicher Rat einzuholen. Anhaltende Erschöpfung, Schlafstörungen oder Stimmungsveränderungen haben viele mögliche Ursachen und gehören ärztlich untersucht, statt sie mit Nahrungsergänzung zu behandeln.

Für Ashwagandha sind nach EU-Recht keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

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