Das Wort steht auf Verpackungen, in Zeitschriften und in unzähligen Beiträgen über Pflanzen. Lebensmittelrechtlich existiert es nicht. Woher der Begriff stammt, welche Pflanzen darunter gefasst werden und warum er keine geprüfte Eigenschaft beschreibt.
Ein Begriff aus den 1940er Jahren
Der Ausdruck stammt nicht aus dem Ayurveda und nicht aus der traditionellen chinesischen Medizin, sondern aus der sowjetischen Pharmakologie.
Geprägt wurde er 1947 von Nikolai Lasarew, einem russischen Wissenschaftler, der nach Substanzen suchte, die die Widerstandsfähigkeit gegen äußere Belastungen erhöhen sollten. Das Wort leitet sich vom lateinischen adaptare ab – anpassen.
In den 1960er Jahren erweiterte sein Schüler Israel Brechman den Begriff und stellte drei Kriterien auf, die eine Pflanze erfüllen sollte:
- Sie soll unspezifisch wirken, also nicht auf ein einzelnes Organ bezogen
- Sie soll normalisierend wirken, unabhängig von der Richtung der Abweichung
- Sie soll den Körper nicht über ein normales Maß hinaus belasten
Das war eine Arbeitsdefinition für die Forschung, keine behördliche Kategorie. Und sie ist es bis heute nicht.
Kurz gesagt: „Adaptogen" beschreibt eine Vorstellung aus der Forschungsgeschichte, keine geprüfte Eigenschaft und keine zugelassene Angabe.
Der historische Hintergrund
Der Zusammenhang, in dem die Forschung entstand, erklärt einiges an der späteren Begriffskarriere.
Lasarews Arbeiten liefen im Umfeld der sowjetischen Militär- und Sportmedizin. Gesucht wurde nach etwas, das Piloten, Soldaten und später Leistungssportler unter Belastung stabiler machen sollte.
Brechman untersuchte in diesem Zusammenhang vor allem Eleutherococcus senticosus, die Taigawurzel – im Handel lange als „sibirischer Ginseng" bezeichnet, obwohl sie mit dem echten Ginseng nur entfernt verwandt ist.
Ein erheblicher Teil dieser Untersuchungen wurde auf Russisch veröffentlicht und war im Westen jahrzehntelang kaum zugänglich. Als der Begriff in den 1990er Jahren im westlichen Markt ankam, kam er ohne diesen Zusammenhang – und füllte sich mit neuen Bedeutungen.
Welche Pflanzen darunter gefasst werden
Eine verbindliche Liste gibt es nicht – was zum Begriff passt. Immer wieder genannt werden:
Ginseng (Panax ginseng) – die Wurzel aus Ostasien. Der Gattungsname Panax geht auf das griechische panakeia zurück, Allheilmittel. Charakteristische Stoffgruppe sind die Ginsenoside.
Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) – die Pflanze aus Brechmans Untersuchungen, botanisch zur selben Familie gehörend wie Ginseng, aber eine andere Gattung.
Rosenwurz (Rhodiola rosea) – ein Dickblattgewächs aus arktischen und alpinen Regionen. Der Name kommt vom rosenähnlichen Geruch der frischen Wurzel.
Ashwagandha (Withania somnifera) – die einzige der vier, die aus dem Ayurveda stammt und dort zur Gruppe der Rasayana zählt.
Je nach Quelle kommen weitere hinzu: Schisandra, Tulsi, Maca, Cordyceps. Die Aufzählung hängt davon ab, wer sie erstellt.

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Zum Produkt →Was Rasayana bedeutet
Bei Ashwagandha wird häufig auf den ayurvedischen Begriff Rasayana verwiesen – der älter ist als „Adaptogen" und etwas anderes meint.
Rasayana bezeichnet in den klassischen Texten eine Gruppe von Pflanzen und Zubereitungen, die für regelmäßige, längerfristige Anwendung vorgesehen sind – nicht für den einzelnen Anlass.
Daraus ergibt sich ein praktischer Unterschied im Umgang: Traditionell wurden diese Pflanzen über Wochen und Monate genommen, häufig in Kuren mit Pausen dazwischen. Das ist ein anderer Zeitmaßstab als bei einem Mittel, das man bei Bedarf nimmt.
Die klassische Zubereitung war denkbar einfach: gemahlene Wurzel in warmer Milch, oft mit Honig oder Ghee. Diese Kombination ist heute als Moon Milk bekannt.
Auch Rasayana ist keine lebensmittelrechtliche Kategorie – der Begriff beschreibt eine Anwendungsweise in einer Tradition, nicht eine geprüfte Eigenschaft.
Warum der Begriff auf Packungen steht
Hier liegt der Grund für die Verbreitung, und er ist ernüchternd.
Für botanische Stoffe ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Kein Anbieter darf schreiben, was Ashwagandha, Rhodiola oder Ginseng im Körper tun.
„Adaptogen" füllt diese Lücke. Der Begriff klingt nach Wirkung, ohne eine zu benennen – er ist vage genug, um nicht als Angabe zu gelten, und suggestiv genug, um verstanden zu werden.
Ob das lebensmittelrechtlich zulässig ist, wird unterschiedlich beurteilt. Sicher ist: Es ist keine geprüfte Aussage, und wer sie liest, sollte sie nicht als solche verstehen.
Was sich über diese Pflanzen sagen lässt, ohne den Rahmen zu verlassen, betrifft die Botanik, die Herkunft, die Inhaltsstoffe und die traditionelle Verwendung – also genau die Punkte, an denen sich Produkte auch tatsächlich unterscheiden.
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Woran sich diese Pflanzen vergleichen lassen
Da die Begriffe nichts hergeben, bleibt die Deklaration. Bei allen genannten Pflanzen sind es dieselben vier Punkte:
1. Botanischer Name. „Ginseng" kann Panax ginseng, Panax quinquefolius oder Eleutherococcus meinen – drei verschiedene Pflanzen.
2. Pflanzenteil. Wurzel, Blatt, Kraut oder Frucht. Bei den meisten dieser Pflanzen ist traditionell die Wurzel gemeint.
3. Pulver oder Extrakt. Und bei Extrakten das Verhältnis sowie die Standardisierung auf die Leitstoffgruppe – Ginsenoside bei Ginseng, Withanolide bei Ashwagandha, Rosavine und Salidrosid bei Rhodiola.
4. Herkunft und Anbau. Bei Wurzeln besonders relevant, weil sie aufnehmen, was im Boden ist.
Diese vier Angaben stehen entweder auf dem Etikett oder nicht. Sie sind überprüfbar – anders als das Wort auf der Vorderseite.
Häufige Fragen
Was bedeutet Adaptogen?
Ein Begriff aus der sowjetischen Pharmakologie, 1947 von Nikolai Lasarew geprägt. Er beschreibt eine Vorstellung, keine geprüfte Eigenschaft.
Ist Adaptogen eine gesetzliche Kategorie?
Nein. Weder im Lebensmittelrecht noch im Arzneimittelrecht.
Welche Pflanzen gelten als Adaptogene?
Häufig genannt werden Ginseng, Taigawurzel, Rosenwurz und Ashwagandha. Eine verbindliche Liste gibt es nicht.
Was ist der Unterschied zu Rasayana?
Rasayana ist ein ayurvedischer Begriff und meint Pflanzen für regelmäßige, längerfristige Anwendung. Er stammt aus einer anderen Tradition.
Ist sibirischer Ginseng echter Ginseng?
Nein. Die Taigawurzel gehört zur selben Familie, aber zu einer anderen Gattung.
Warum steht der Begriff trotzdem überall?
Weil für botanische Stoffe keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen sind und der Begriff diese Lücke füllt.
Woran erkenne ich Qualität bei diesen Pflanzen?
An botanischem Namen, Pflanzenteil, Pulver-oder-Extrakt-Angabe mit Standardisierung und der Herkunft.
Was sind die jeweiligen Leitstoffgruppen?
Ginsenoside bei Ginseng, Withanolide bei Ashwagandha, Rosavine und Salidrosid bei Rhodiola.
Wichtig: Pflanzliche Ergänzungsmittel sind nicht harmlos, nur weil sie pflanzlich sind. Mehrere der genannten Pflanzen können Wechselwirkungen mit Medikamenten haben – bei regelmäßiger Einnahme von Arzneimitteln, bei Schilddrüsen- und Autoimmunerkrankungen sowie vor geplanten Operationen gehört die Anwendung vorher ärztlich abgeklärt. Für Schwangere, Stillende und Kinder sind diese Pflanzen in aller Regel nicht geeignet. Anhaltende Erschöpfung oder Schlafstörungen gehören ärztlich untersucht.
Für die in diesem Beitrag genannten botanischen Stoffe sind nach EU-Recht keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.