Bei Kurkuma ist die Zahl auf der Vorderseite besonders irreführend – weil zwei völlig verschiedene Produkte mit denselben Milligramm werben können. Der Unterschied kann das Fünfzigfache betragen. Er steht auf der Rückseite, in einer einzigen Zeile.
Zuerst die Rechtslage
Für Kurkuma und Curcumin ist in der Europäischen Union keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Weder zu Gelenken, Verdauung, Leber, Immunsystem noch zu Entzündungen – letzteres wäre ohnehin krankheitsbezogen und damit für Lebensmittel generell unzulässig.
Dasselbe gilt für Ingwer und für Piperin aus schwarzem Pfeffer.
Was bleibt, ist die Beschreibung: Pflanzenteil, Extraktverhältnis, Leitstoffgehalt und Herkunft. Genau daran lässt sich vergleichen – und bei Kurkuma lohnt sich das mehr als bei fast jedem anderen Pflanzenstoff.
Die zweite Zahl: Curcuminoide, nicht Kurkuma
Kurkuma ist die Wurzel. Curcuminoide sind die gelben Farbstoffe darin – die Stoffgruppe, auf die Extrakte standardisiert werden. Zwischen beiden liegt ein gewaltiger Unterschied:
| Rohstoff | Curcuminoid-Anteil | Für 450 mg Curcuminoide nötig |
|---|---|---|
| Gemahlene Kurkumawurzel | rund 2–5 % | rund 9.000–22.000 mg |
| Extrakt, schwach gezogen | rund 10 % | rund 4.500 mg |
| Extrakt, hoch gezogen | rund 95 % | rund 474 mg |
Damit ist klar, warum „500 mg Kurkuma-Extrakt“ ohne Prozentangabe unbrauchbar ist: Der Extrakt kann auf 10 oder auf 95 Prozent gezogen sein. Der Unterschied beträgt das Neunfache bei identischer Zahl auf der Schauseite.
So liest du das Etikett: Suche die Zeile „davon Curcuminoide“. Fehlt sie, lässt sich das Produkt nicht bewerten – unabhängig davon, wie groß die Milligrammzahl auf der Vorderseite ist.
Extrakt oder Pulver – zwei verschiedene Produkte
Beides hat seine Berechtigung, aber es sind nicht dieselben Produkte. Der Unterschied lässt sich an zwei realen Beispielen zeigen:
| Merkmal | Extraktprodukt | Pulverprodukt |
|---|---|---|
| Rohstoffmenge | 474 mg Extrakt | 3.000 mg Pulver |
| Curcuminoide | 450 mg | 90 mg |
| Kapseln pro Tag | 1 | 6 |
| Stärke | konzentrierter Leitstoff | volles Stoffspektrum der Wurzel |
Das Pulverprodukt liefert mit der sechsfachen Kapselzahl ein Fünftel der Curcuminoide. Das ist kein Fehler – es ist ein anderes Konzept: Wer das gesamte Spektrum der Wurzel als Lebensmittel möchte, greift zum Pulver. Wer eine definierte Curcuminoidmenge will, zum Extrakt.
Manche Produkte kombinieren beides: ein hoch gezogener Extrakt für die Menge, dazu etwas Wurzelpulver für die übrigen Bestandteile, die bei der Extraktion zurückbleiben.
Pfeffer – und auch dort die zweite Zahl
Curcuminoide sind ausgesprochen schlecht wasserlöslich. Deshalb ist schwarzer Pfeffer der Standardbegleiter in Kurkumaprodukten – genauer: das darin enthaltene Piperin.
Und auch hier gilt dieselbe Regel. Entscheidend ist nicht die Pfeffermenge, sondern der Piperingehalt:
- „240 mg gemahlener schwarzer Pfeffer“ – Küchengewürz, Piperingehalt typischerweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
- „20 mg Pfefferextrakt, davon 19 mg Piperin“ – ein 95-Prozent-Extrakt. Ein Zwanzigstel der Rohstoffmenge, ein Vielfaches des Piperins.
Eine Wirkaussage lässt sich daraus nicht ableiten – zugelassen ist für Piperin keine. Aber als Vergleichsgröße ist die Angabe aussagekräftig.
Ein zweiter Punkt zur Aufnahme: Curcuminoide sind fettlöslich. Die Einnahme zu einer Mahlzeit, die etwas Fett enthält, ist deshalb sinnvoller als auf nüchternen Magen.

Ein 95-Prozent-Extrakt, beide Zahlen deklariert. Dazu 155 mg Bio-Wurzelpulver für das übrige Stoffspektrum und 20 mg Pfefferextrakt mit 19 mg Piperin. Eine Kapsel täglich.
Kurkuma 450 mg
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Das andere Konzept: gemahlene Bio-Wurzel statt Extrakt, dazu 1.200 mg Bio-Ingwer und Bio-Pfeffer. Volles Stoffspektrum, dafür sechs Kapseln für die volle Tagesdosis. Vier Zutaten, alle in Bio-Qualität.
Kurkuma + Ingwer
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Wann Vorsicht geboten ist
Kurkuma ist als Gewürz seit Jahrtausenden in Gebrauch. Konzentrierte Extrakte sind allerdings etwas anderes als ein Löffel Curry, und daraus ergeben sich mehrere Einschränkungen:
- Bei Gerinnungshemmern gehört die Anwendung ärztlich oder in der Apotheke abgeklärt – dieser Hinweis steht auf seriösen Kurkumaprodukten.
- Bei Gallensteinen oder Erkrankungen der Gallenwege ebenso.
- In Schwangerschaft und Stillzeit sind konzentrierte Kurkumapräparate in aller Regel nicht vorgesehen.
- Vor Operationen sollte die Einnahme dem behandelnden Arzt bekannt sein.
Und ein Punkt zur Bio-Kennzeichnung: Bei Kombiprodukten aus Extrakt und Pulver bezieht sich ein Bio-Anteil häufig nur auf einen Teil der Zutaten. Auf dem Etikett steht dann eine Prozentangabe – etwa „38 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft“. Der hochkonzentrierte Extrakt selbst ist dabei meist konventionell.
Wichtig: Bei gleichzeitiger Anwendung gerinnungshemmender Medikamente vor Gebrauch Arzt oder Apotheker konsultieren. Bei Gallenwegserkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sind konzentrierte Kurkumapräparate nicht geeignet.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kurkuma und Curcumin?
Kurkuma ist die Wurzel, Curcuminoide sind die enthaltenen Farbstoffe. Gemahlene Wurzel enthält typischerweise 2 bis 5 Prozent davon.
Was bedeutet „95 Prozent Extrakt“?
Dass 95 Prozent des Extrakts aus Curcuminoiden bestehen. Aus 474 mg Extrakt werden so 450 mg Curcuminoide.
Warum ist Pfeffer enthalten?
Wegen des Piperins. Entscheidend ist dessen Gehalt, nicht die Pfeffermenge.
Gibt es zugelassene Wirkaussagen für Kurkuma?
Nein, weder für Kurkuma noch für Curcumin, Ingwer oder Piperin.
Extrakt oder Pulver – was ist besser?
Zwei verschiedene Konzepte. Der Extrakt liefert eine definierte Curcuminoidmenge, das Pulver das volle Stoffspektrum der Wurzel.
Wann nehme ich Kurkuma ein?
Zu einer Mahlzeit, die etwas Fett enthält – Curcuminoide sind fettlöslich.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Angaben zu Curcuminoidgehalten in Rohstoffen sind Richtwerte.