Hyaluronsäure gehört zu den bekanntesten Substanzen der Kosmetik- und Nahrungsergänzungsbranche – und zu denen mit der größten Lücke zwischen Bekanntheit und rechtlich Sagbarem. Dieser Beitrag erklärt, was Hyaluronsäure ist, warum das Molekulargewicht die entscheidende Angabe auf dem Etikett ist und worin sich Kapseln und Cremes rechtlich unterscheiden.
Zuerst das Unbequeme: keine zugelassene Angabe
Für Hyaluronsäure ist in der Europäischen Union keine einzige gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Weder zu Haut, Falten, Feuchtigkeit noch zu Gelenken oder Bindegewebe.
Das gilt für Nahrungsergänzungsmittel. Wer auf einer Kapseldose liest, Hyaluronsäure „polstere die Haut von innen auf“, liest eine unzulässige Aussage – unabhängig davon, wie viel Milligramm enthalten sind.
Was daraus folgt: Ein seriöses Hyaluronprodukt beschreibt Menge, Molekulargewicht und Herstellung. Es verspricht nichts. Ein Etikett ohne Wirkversprechen ist hier das korrekte, nicht das schwächere.
Kurz gesagt: Hyaluronsäure darf beschrieben, aber nicht beworben werden. Menge, Molekulargewicht und Reinheit sind die einzigen Angaben, an denen sich Produkte sachlich vergleichen lassen.
Was Hyaluronsäure ist
Hyaluronsäure ist ein körpereigenes Molekül aus der Gruppe der Glykosaminoglykane – eine lange, unverzweigte Kette aus sich wiederholenden Zuckerbausteinen. Sie ist damit kein Vitamin, kein Mineralstoff und kein essentieller Nährstoff, sondern ein Strukturbestandteil des Bindegewebes.
Der Gesamtbestand im Körper eines Erwachsenen wird auf rund 15 Gramm geschätzt. Rund die Hälfte davon befindet sich in der Haut, weitere Anteile in Gelenkflüssigkeit, Knorpel, Augen und Bindegewebe.
Bemerkenswert ist der Umsatz: Ein erheblicher Teil des körpereigenen Bestands wird täglich ab- und wieder aufgebaut. Hyaluronsäure ist also kein Depot, das sich füllen lässt, sondern ein Molekül in ständigem Umlauf.
Die auffälligste physikalische Eigenschaft ist ihre Wasserbindung: Ein Gramm Hyaluronsäure kann ein Vielfaches seines Gewichts an Wasser binden. Genau diese Eigenschaft macht sie für die Kosmetik interessant – und sie ist der Grund, warum die Substanz auch technisch als Feuchthaltemittel eingesetzt wird.
Das Molekulargewicht – die zweite Zahl bei Hyaluron
Hyaluronsäure ist nicht gleich Hyaluronsäure. Die Ketten können unterschiedlich lang sein, und diese Länge wird als Molekulargewicht in Kilodalton (kDa) angegeben.
| Bezeichnung | Größenordnung | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| niedermolekular | unter etwa 500 kDa | Kapseln, Seren |
| mittelmolekular | rund 500–1.000 kDa | Mischprodukte |
| hochmolekular | über etwa 1.000 kDa | Cremes, Filmbildner |
Zwei Produkte mit identischen „400 mg Hyaluronsäure“ auf dem Etikett können sich in der Kettenlänge um den Faktor hundert unterscheiden. Auf der Vorderseite steht davon nichts.
Deshalb gilt: Ein Hyaluronprodukt ohne Angabe des Molekulargewichts ist nicht vollständig beschrieben. Gute Hersteller nennen die Spanne, etwa „500–700 kDa“. Fehlt sie, lässt sich nicht beurteilen, was in der Kapsel steckt – auch dann nicht, wenn Menge und Reinheit stimmen.
Ob nieder- oder hochmolekular „besser“ ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, und Werbeaussagen dazu sind ebenfalls nicht zugelassen. Sagen lässt sich nur, dass die Angabe zur Vergleichbarkeit gehört.
Natriumhyaluronat oder Hyaluronsäure – auch hier wiegt der Partner mit
In Zutatenlisten steht selten „Hyaluronsäure“. Meist steht dort Natriumhyaluronat – das Natriumsalz der Hyaluronsäure. Es ist stabiler, besser löslich und deshalb die übliche Rohstoffform.
Wie bei Mineralstoffen wiegt der Bindungspartner mit. Aus 400 mg Natriumhyaluronat werden rund 360 mg Hyaluronsäure – das entspricht etwa 90 Prozent. Der Unterschied ist kleiner als bei Magnesiumverbindungen, aber er existiert.
Auf einer korrekten Deklaration stehen beide Zahlen: die Menge des eingesetzten Natriumhyaluronats und die daraus resultierende Hyaluronsäuremenge. Wer nur eine Zahl nennt, lässt offen, welche gemeint ist.
Woher der Rohstoff kommt – und warum das für Veganer zählt
Historisch wurde Hyaluronsäure aus tierischem Material gewonnen, vor allem aus Hahnenkämmen und Rinderaugen. Diese Herkunft ist bei modernen Produkten die Ausnahme.
Heute stammt der weit überwiegende Teil aus bakterieller Fermentation. Der Rohstoff ist damit pflanzlichen beziehungsweise mikrobiellen Ursprungs und für eine vegane Ernährung geeignet – sofern auch die Kapselhülle stimmt. Hydroxypropylmethylcellulose ist pflanzlich, Gelatine nicht.
Ein Produkt, das die Herstellungsart nennt, erspart die Rückfrage. Fehlt die Angabe, lohnt sie sich – gerade weil beide Wege existieren.
Kapsel oder Creme – zwei verschiedene Regelwerke
Ein Punkt, der regelmäßig verwechselt wird: Hyaluronsäure in einer Creme und Hyaluronsäure in einer Kapsel unterliegen unterschiedlichem Recht.
| Merkmal | Kosmetik | Nahrungsergänzungsmittel |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | Kosmetikverordnung | Lebensmittelrecht |
| Anwendung | äußerlich | Verzehr |
| Zulässige Aussagen | kosmetische Wirkaussagen | nur zugelassene Nährstoffangaben |
| Kennzeichnung | INCI-Liste | Nährwerttabelle nach LMIV |
Deshalb darf eine Creme Formulierungen verwenden, die auf einer Kapseldose unzulässig wären. Wer beides nebeneinander liest, hält das leicht für Willkür – tatsächlich sind es zwei getrennte Regelwerke.
Praktisch bedeutet das auch: Aussagen aus der Kosmetikwerbung lassen sich nicht auf Kapseln übertragen. Wer das tut, macht aus einer zulässigen kosmetischen Aussage eine unzulässige gesundheitsbezogene.
Was in Kombiprodukten zulässig ist
Hyaluronsäure wird häufig mit Kollagen und Vitamin C kombiniert. Rechtlich ändert das an der Hyaluronsäure nichts – wohl aber am Produkt insgesamt, denn Vitamin C trägt zugelassene Angaben:
- Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei.
- Vitamin C trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Voraussetzung ist, dass mindestens 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts enthalten sind – bei Vitamin C also mindestens 12 mg. Für Kollagen selbst gilt dasselbe wie für Hyaluronsäure: keine zugelassene Angabe.
Wer also auf einem Beauty-Produkt eine Hautaussage liest, sollte prüfen, worauf sie sich bezieht. Steht sie beim Vitamin C, ist sie zulässig. Steht sie bei Kollagen oder Hyaluron, ist sie es nicht.
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Beide Mengen: eingesetztes Natriumhyaluronat und die daraus resultierende Hyaluronsäuremenge.
- Molekulargewicht in kDa – die wichtigste fehlende Angabe auf dem Markt. Ohne sie ist das Produkt nicht vollständig beschrieben.
- Herstellungsart: Fermentation oder tierische Herkunft – relevant für vegane Ernährung.
- Zutatenliste: Kurze Listen sind ein gutes Zeichen. Zwei Zutaten – Rohstoff und Kapselhülle – sind möglich.
- Tagesdosis: Auf wie viele Kapseln bezieht sich die angegebene Menge?
- Keine Wirkversprechen: Ein Etikett ohne solche ist bei Hyaluronsäure das rechtlich korrekte.

Beide Zahlen deklariert: 400 mg Natriumhyaluronat, daraus 360 mg Hyaluronsäure. Eine Kapsel täglich, zwei Zutaten insgesamt – Rohstoff und Cellulosekapsel.
Hyaluron 400 mg
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Häufige Fragen zu Hyaluronsäure
Was bedeutet kDa bei Hyaluronsäure?
Kilodalton – die Einheit für das Molekulargewicht. Sie gibt an, wie lang die Zuckerketten sind. Unter etwa 500 kDa gilt als niedermolekular, über 1.000 kDa als hochmolekular.
Was ist der Unterschied zwischen Hyaluronsäure und Natriumhyaluronat?
Natriumhyaluronat ist das Natriumsalz und die übliche Rohstoffform. Aus 400 mg Natriumhyaluronat werden rund 360 mg Hyaluronsäure.
Ist Hyaluronsäure vegan?
Heute stammt sie überwiegend aus bakterieller Fermentation und ist damit für vegane Ernährung geeignet. Früher wurde sie aus tierischem Material gewonnen. Entscheidend ist zusätzlich die Kapselhülle.
Warum steht auf der Packung keine Wirkung?
Weil für Hyaluronsäure keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen ist. Ein Etikett ohne Versprechen ist hier das korrekte.
Wie viel Hyaluronsäure pro Tag?
Eine offizielle Empfehlung existiert nicht, weil Hyaluronsäure kein essentieller Nährstoff mit Bezugswert ist. Übliche Mengen in Kapseln liegen zwischen 100 und 400 mg.
Wirkt Hyaluron in der Creme anders als in der Kapsel?
Beide unterliegen unterschiedlichem Recht und werden entsprechend unterschiedlich gekennzeichnet. Aussagen aus der Kosmetikwerbung lassen sich nicht auf Kapseln übertragen.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Angaben zu Molekulargewichtsbereichen sind Richtwerte; eine einheitliche Definition existiert nicht.