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Cholesterin: Die Mengenschwellen – und eine Angabe, die niemand mehr führen darf

Zum Cholesterinspiegel gibt es mehrere zugelassene Angaben – und eine davon ist ein Kuriosum: Sie existiert auf dem Papier, lässt sich aber seit einer Rechtsänderung praktisch nicht mehr erfüllen. Dieser Beitrag erklärt alle Mengenschwellen und den Sonderfall Rotschimmelreis.

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Die zugelassenen Angaben und ihre Schwellen

Anders als in den meisten Bereichen tragen hier nicht Vitamine die Angaben, sondern Ballaststoffe und Pflanzenfette – jeweils gebunden an eine tägliche Menge:

Stoff Gilt ab In Kapseln erreichbar?
Pflanzensterine und -stanole 0,8 g täglich ja
Beta-Glucane aus Hafer und Gerste 3 g täglich nein
Pektine 6 g täglich nein
Guarkernmehl 10 g täglich nein
Monacolin K aus Rotschimmelreis 10 mg täglich nicht mehr zulässig

Die Tabelle erklärt, warum praktisch alle Kapselprodukte in dieser Kategorie auf Pflanzensterine setzen: Sie sind der einzige Stoff, dessen Schwelle sich in einer sinnvollen Kapselmenge unterbringen lässt. 0,8 Gramm sind machbar, 3 oder 10 Gramm nicht.

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Der Sonderfall Rotschimmelreis

Rotschimmelreis entsteht durch Fermentation von Reis mit dem Schimmelpilz Monascus purpureus. Dabei bildet sich Monacolin K – eine Verbindung, die chemisch einem Arzneistoff entspricht.

Genau daraus ergibt sich die ungewöhnliche Rechtslage. Die zugelassene Angabe zum Cholesterinspiegel war ursprünglich an 10 mg Monacolin K täglich geknüpft. Seit einer EU-Verordnung von 2022 dürfen Lebensmittel jedoch weniger als 3 mg Monacolin K pro Tagesdosis enthalten.

Damit ist die Angabe faktisch nicht mehr nutzbar: Die Menge, die sie voraussetzt, ist in Lebensmitteln nicht mehr erlaubt. Eine zugelassene Aussage, die niemand mehr führen kann.

Zusätzlich schreibt die Verordnung mehrere Pflichthinweise vor, die auf entsprechenden Produkten stehen müssen – unter anderem der Ausschluss bestimmter Personengruppen und das Verbot der Kombination mit cholesterinsenkenden Medikamenten oder weiteren Rotschimmelreis-Erzeugnissen.

Wichtig bei Rotschimmelreis: Produkte mit Monacolin K sind nicht für Personen unter 18 und über 70 Jahren, Schwangere und Stillende bestimmt. Wer bereits cholesterinsenkende Mittel einnimmt oder andere Rotschimmelreis-Erzeugnisse verzehrt, darf sie nicht zusätzlich einnehmen. Beim Auftreten von Beschwerden ärztlichen Rat einholen.

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Pflanzensterine – die 801-Milligramm-Frage

Pflanzensterine, auch Phytosterole genannt, sind die pflanzlichen Gegenstücke zum Cholesterin. Sie ähneln ihm strukturell so stark, dass sie im Darm um dieselben Aufnahmewege konkurrieren – das ist der beschreibbare Mechanismus hinter der zugelassenen Angabe.

Die Schwelle liegt bei 0,8 g täglich. Deshalb finden sich auf Etiketten auffällig häufig Zahlen wie 800 oder 801 mg. Das ist kein Zufall, sondern bewusst über die Grenze gerechnet: Bei 780 mg dürfte die Aussage nicht geführt werden.

Nach oben gilt eine Einschränkung, die weniger bekannt ist: Mehr als 3 g zugesetzte Phytosterole täglich sollen vermieden werden. Wer angereicherte Margarine, Joghurtdrinks und ein Präparat kombiniert, kommt dieser Menge näher, als er denkt.

Und ein dritter Punkt, der auf entsprechenden Produkten als Hinweis steht: Pflanzensterine können die Aufnahme fettlöslicher Carotinoide beeinflussen. Deshalb der Hinweis auf regelmäßigen Verzehr von Obst und Gemüse – er ist keine Floskel, sondern Teil der vorgeschriebenen Kennzeichnung.

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Warum Beta-Glucane in Kapseln nichts bringen

Beta-Glucane aus Hafer und Gerste tragen eine eigene zugelassene Angabe – ab 3 g täglich. Das ist der Grund, warum sie in Kapselprodukten zwar auftauchen, ihre Angabe dort aber nicht getragen werden kann.

Zur Einordnung: Eine Kapsel fasst rund 500 mg Pulver. Für 3 g Beta-Glucane bräuchte es sechs Kapseln, die ausschließlich daraus bestünden. Realistisch erreicht man diese Menge über Haferflocken oder Haferkleie – etwa 60 bis 80 g Haferflocken liefern die Größenordnung.

Ein Beta-Glucan-Anteil von 85 mg in einem Komplexprodukt ist damit ein Bestandteil, kein Wirkfaktor im Sinne der Angabe. Das gehört hingeschrieben, nicht verschwiegen.

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801 MG PFLANZENSTERINE – ÜBER DER SCHWELLE

801 mg Phytosterole pro Tagesdosis – die zugelassene Angabe zum Cholesterinspiegel wird damit erreicht. Dazu 2,7 mg Monacolin K, also unterhalb der zulässigen Höchstmenge. Mit allen vorgeschriebenen Hinweisen.

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Was bei Herz und Gefäßen sonst zugelassen ist

Neben dem Cholesterinspiegel gibt es drei weitere Angaben mit Herz-Kreislauf-Bezug:

  • EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei – ab 250 mg täglich.
  • Thiamin trägt zu einer normalen Herzfunktion bei.
  • Kalium trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei.

Nicht zugelassen sind dagegen Angaben für Berberin, L-Arginin, Nattokinase, Knoblauch, Artischocke, Coenzym Q10 und OPC – obwohl diese Stoffe in Herz-Kreislauf-Produkten regelmäßig enthalten sind.

Bei ihnen gilt dieselbe Regel wie überall: Menge und Leitstoff dürfen genannt werden, ein Versprechen nicht.

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Für wen diese Produkte nicht gedacht sind

Cholesterinprodukte sind die einzige Kategorie, in der der Gesetzgeber ausdrücklich vorschreibt, dass sie nur für Personen bestimmt sind, die ihren Cholesterinspiegel kontrollieren möchten – und nicht für alle anderen.

Diese Einschränkung ist ungewöhnlich und wird oft überlesen. Sie bedeutet: Ein solches Produkt ist kein allgemeines Vorsorgemittel, das man vorsichtshalber nimmt.

Wer bereits cholesterinsenkende Medikamente einnimmt, kombiniert nicht eigenmächtig. Und wer erhöhte Werte hat, lässt sie ärztlich einordnen – die Bewertung hängt vom Gesamtbild ab und nicht von einer einzelnen Zahl.

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Häufige Fragen

Ab wann dürfen Pflanzensterine beworben werden?
Ab 0,8 g täglich. Deshalb stehen auf Etiketten häufig Werte knapp über 800 mg.

Wie viel Pflanzensterine sind zu viel?
Mehr als 3 g zugesetzte Phytosterole täglich sollen vermieden werden – angereicherte Lebensmittel zählen mit.

Warum darf Rotschimmelreis nicht mehr mit 10 mg beworben werden?
Weil Lebensmittel seit 2022 weniger als 3 mg Monacolin K pro Tagesdosis enthalten dürfen. Die Angabe setzt 10 mg voraus und ist damit nicht mehr erfüllbar.

Wie viele Beta-Glucane braucht es?
3 g täglich. Das ist über Kapseln nicht darstellbar, wohl aber über Haferflocken oder Haferkleie.

Warum steht der Hinweis auf Obst und Gemüse auf der Packung?
Weil Pflanzensterine die Aufnahme von Carotinoiden beeinflussen können. Der Hinweis ist vorgeschrieben.

Darf ich das Produkt zusätzlich zu Medikamenten nehmen?
Nein. Wer bereits cholesterinsenkende Mittel einnimmt, darf Rotschimmelreis-Erzeugnisse nicht zusätzlich verzehren.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Erhöhte Blutfettwerte gehören ärztlich eingeordnet.

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