Weihrauch kennt fast jeder aus der Kirche. Dass es sich um das getrocknete Harz eines Baumes handelt, der unter widrigsten Bedingungen wächst, wissen die wenigsten.
Ein Baum, der aus Fels wächst
Der Weihrauchbaum der Gattung Boswellia wächst in trockenen Gebieten Ostafrikas, der Arabischen Halbinsel und Indiens.
Bemerkenswert ist sein Standort: Manche Arten klammern sich an nackten Fels, mit einer verdickten Basis, die wie ein Fuß auf dem Gestein sitzt. Sie überleben dort, wo kaum etwas anderes wächst.
Das Harz gewinnen die Sammler, indem sie die Rinde einritzen. Der Baum gibt daraufhin ein milchiges Sekret ab, das an der Luft erhärtet – eine Wundreaktion, kein Saft.
Nach einigen Wochen werden die getrockneten Tropfen abgenommen. Ein Baum liefert im Jahr nur wenige Kilogramm, und zu häufiges Anritzen schwächt ihn dauerhaft.
Kurz gesagt: Weihrauch ist eingetrocknetes Wundsekret. Die Ernte ist Handarbeit und der Ertrag je Baum gering.
Die Weihrauchstraße
In der Antike war Weihrauch ein Handelsgut ersten Ranges. Ägypten, Griechenland und Rom verbrauchten enorme Mengen für Tempel und Begräbnisse.
Der Transport führte über eine Karawanenroute von Südarabien bis ans Mittelmeer – die Weihrauchstraße. Sie war rund 3.400 Kilometer lang und brauchte Monate.
Die Städte entlang der Route wurden dadurch reich. Petra in Jordanien verdankt seinen Aufstieg wesentlich diesem Handel, ebenso mehrere Städte im heutigen Oman und Jemen.
Der Wert war entsprechend. Zu manchen Zeiten wurde Weihrauch gewichtsgleich mit Gold gehandelt.
Und daher stammt auch das bekannteste Bild: Die drei Weisen bringen dem Kind Gold, Weihrauch und Myrrhe – drei Geschenke desselben Werts, nicht eines und zwei Beigaben.

400 mg Extrakt aus Boswellia serrata mit 260 mg Boswelliasäuren – der Leitsubstanzgehalt steht im Titel, nicht im Kleingedruckten.
Weihrauch Extrakt 400 mg
Zum Produkt →Nicht jede Boswellia ist dieselbe
Es gibt mehrere Weihrauchbäume, und sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung des Harzes:
| Art | Herkunft |
|---|---|
| Boswellia serrata | Indien – die in Präparaten übliche Art |
| Boswellia sacra | Oman und Jemen – der klassische Kirchenweihrauch |
| Boswellia carterii | Somalia |
| Boswellia papyrifera | Äthiopien und Eritrea |
Für Nahrungsergänzung wird fast ausschließlich Boswellia serrata verwendet – die indische Art, die in der ayurvedischen Tradition unter dem Namen Salai Guggul bekannt ist.
Auf dem Etikett sollte die Art stehen. Der bloße Begriff Weihrauch lässt offen, welches Harz verarbeitet wurde.
Die Boswelliasäuren
Was das Harz chemisch ausmacht, sind besondere Säuren – die Boswelliasäuren, die es nur in dieser Pflanzengattung gibt.
Ihr Anteil im Rohharz schwankt erheblich, abhängig von Art, Standort und Erntezeitpunkt. Deshalb wird für Präparate extrahiert und standardisiert.
Die Standardisierung ist bei Weihrauch die zentrale Angabe. Ein Extrakt mit 65 Prozent Boswelliasäuren enthält ein Vielfaches dessen, was in unstandardisiertem Harzpulver steckt.
Wer zwei Produkte vergleicht, rechnet deshalb nicht Milligramm Extrakt gegen Milligramm Extrakt, sondern Milligramm Boswelliasäuren gegen Milligramm Boswelliasäuren.
Was wir nicht schreiben
Für Weihrauch gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
Im Netz finden sich Aussagen zu Gelenken und Entzündungen. Diese Angaben sind für Nahrungsergänzungsmittel in der EU nicht erlaubt – unabhängig davon, was einzelne Untersuchungen nahelegen.
Was sich sagen lässt, ist die Tradition: Im Ayurveda wird das Harz seit Jahrhunderten verwendet, und in der traditionellen Medizin Indiens hat es einen festen Platz.
Und ein Hinweis zur Einordnung: In manchen Ländern gibt es Weihrauchextrakte als zugelassene Arzneimittel. Das ändert nichts an der Rechtslage für Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland – ein Nahrungsergänzungsmittel darf keine arzneiliche Wirkung behaupten.
Teil 2: Worauf beim Kauf zu achten ist →
Häufige Fragen
Was ist Weihrauch?
Das getrocknete Harz von Bäumen der Gattung Boswellia, gewonnen durch Anritzen der Rinde.
Woher kommt er?
Aus Ostafrika, der Arabischen Halbinsel und Indien. Für Präparate meist aus Indien.
Was war die Weihrauchstraße?
Eine antike Karawanenroute von Südarabien ans Mittelmeer, rund 3.400 Kilometer lang.
Welche Boswellia-Art ist die richtige?
Für Nahrungsergänzung wird fast ausschließlich Boswellia serrata verwendet.
Was sind Boswelliasäuren?
Die charakteristischen Inhaltsstoffe des Harzes, die es nur in dieser Gattung gibt.
Warum steht keine Wirkung auf der Packung?
Für Weihrauch sind in der EU keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen.
Wichtig: Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder und Jugendliche. Bei bestehenden Erkrankungen und bei der Einnahme von Medikamenten vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen. Anhaltende Gelenkbeschwerden gehören ärztlich untersucht.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.