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Schilddrüse: Welche Nährstoffe sie tatsächlich braucht

Die Schilddrüse ist ein ungewöhnliches Organ: Sie ist das einzige, das ein bestimmtes chemisches Element zwingend braucht, um seine Aufgabe zu erfüllen. Ohne Jod kein Schilddrüsenhormon – kein Ersatzstoff, keine Alternative.

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Warum Jod nicht ersetzbar ist

Die Schilddrüsenhormone tragen ihre Zusammensetzung im Namen: T4 enthält vier Jodatome, T3 drei. Das Jod ist nicht Hilfsstoff, sondern Bestandteil des Moleküls.

Deshalb reichert die Schilddrüse Jod gezielt an – sie holt es aktiv aus dem Blut und speichert es. Kein anderes Organ betreibt einen vergleichbaren Aufwand für ein einzelnes Element.

Das Problem: Jod kommt in Böden ungleich verteilt vor. Weite Teile Mitteleuropas gelten seit jeher als jodarm, weil die eiszeitlichen Böden ausgewaschen sind. Was auf ihnen wächst, enthält entsprechend wenig.

Ergiebig sind vor allem Seefisch, Meeresfrüchte, Milchprodukte und jodiertes Speisesalz. Wer keinen Fisch isst und ungesalzen kocht, hat wenige Quellen.

Kurz gesagt: Jod ist der Baustoff, Selen der Helfer im Hintergrund. Beide tragen zugelassene Angaben zur Schilddrüsenfunktion – aber sie machen Unterschiedliches.

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Die vier zugelassenen Angaben

Für die Schilddrüse ist die Liste kurz und eindeutig:

Nährstoff Zugelassene Angabe
Jod normale Produktion von Schilddrüsenhormonen und normale Schilddrüsenfunktion
Selen normale Schilddrüsenfunktion
Zink normale Funktion der Schilddrüse
Vitamin D keine Schilddrüsen-Angabe – wird trotzdem oft mitgeprüft

Das war es. Für Pflanzen, Algenpulver oder andere Zutaten existiert in diesem Bereich keine zugelassene Angabe.

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Was Selen dabei tut

Selen ist bei diesem Thema der interessantere Nährstoff, weil seine Rolle weniger bekannt ist.

Die Schilddrüse produziert überwiegend T4 – die Form mit vier Jodatomen, die im Gewebe erst noch in das aktivere T3 umgewandelt werden muss. Für diesen Umbau werden selenhaltige Enzyme benötigt.

Dazu kommt: Bei der Hormonbildung entsteht Wasserstoffperoxid, das die Schilddrüse selbst belastet. Auch die Enzyme, die es unschädlich machen, sind selenhaltig.

Gemessen am Gewebegewicht enthält die Schilddrüse deshalb mehr Selen als jedes andere Organ.

Über die Ernährung liefern Paranüsse, Fisch, Eier, Fleisch und Hülsenfrüchte Selen. Die europäischen Böden gelten – wie beim Jod – als eher selenarm.

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Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei. Zwei Formen nebeneinander – die organische wird im Körper eingebaut und gespeichert, die anorganische steht direkt zur Verfügung.

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Warum bei Jod mehr nicht besser ist

Bei kaum einem Nährstoff ist der Bereich zwischen zu wenig und zu viel so schmal.

Der Nährstoffbezugswert liegt bei 150 µg täglich. Nach oben gilt für Erwachsene eine tolerierbare Gesamtaufnahme von 600 µg – und die lässt sich mit bestimmten Produkten überraschend schnell erreichen.

Der häufigste Grund dafür sind Meeresalgen. Braunalgen wie Kelp reichern Jod extrem an, und die Gehalte schwanken je nach Art, Erntegebiet und Charge erheblich. Ein Teelöffel getrocknete Algen kann ein Vielfaches des Tagesbezugswerts enthalten.

Deshalb gilt: Wer Jod ergänzt, tut das mit einer deklarierten Menge – nicht über Algenpulver mit schwankendem Gehalt.

Und noch wichtiger: Bei bekannten Schilddrüsenerkrankungen gehört jede Jodzufuhr ärztlich abgestimmt. Sowohl Über- als auch Unterfunktion können darauf reagieren.

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Kreuzblütler, Soja und andere Alltagsfragen

Kreuzblütler – Brokkoli, Kohl, Rettich, Senf, Kresse, Rucola und auch Maca – enthalten Senfölglykoside. In größeren Mengen können sie in den Jodstoffwechsel eingreifen.

Für die Praxis heißt das nicht, auf Kohl zu verzichten: Bei normalen Verzehrmengen und ausreichender Jodversorgung ist das kein Thema. Kochen baut die betreffenden Stoffe zudem teilweise ab. Wer wegen der Schilddrüse in Behandlung ist, spricht größere Mengen – etwa täglich Rohkost aus Kohlgemüse – trotzdem an.

Soja steht regelmäßig in diesem Zusammenhang. Auch hier gilt: bei ausreichender Jodversorgung und üblichen Mengen unproblematisch.

Calcium und Eisen sind der praktisch wichtigste Punkt für alle, die Schilddrüsenhormone einnehmen: Beide verringern deren Aufnahme deutlich. Üblich sind vier Stunden Abstand – das betrifft auch Multivitamine und Mineralstoffkomplexe.

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Häufige Fragen

Welche Nährstoffe tragen eine Schilddrüsen-Angabe?
Jod, Selen und Zink. Für Pflanzen und Algenpulver existiert keine.

Was macht Selen genau?
Selenhaltige Enzyme sind an der Umwandlung von T4 in das aktivere T3 beteiligt.

Wie viel Jod am Tag?
Der Bezugswert liegt bei 150 µg. Die tolerierbare Gesamtaufnahme beträgt 600 µg für Erwachsene.

Sind Algenprodukte eine gute Jodquelle?
Problematisch, weil die Gehalte stark schwanken. Besser ist eine deklarierte Menge.

Muss ich auf Kohl verzichten?
Nein. Bei üblichen Mengen und ausreichender Jodversorgung ist das kein Thema.

Abstand zu Schilddrüsenhormonen?
Vier Stunden zu Calcium, Eisen und Mineralstoffkomplexen – beide verringern die Aufnahme.

Wichtig: Bei bekannten Schilddrüsenerkrankungen – Über- oder Unterfunktion, Hashimoto, Knoten – gehört jede Jod- und Selenzufuhr vorher ärztlich abgestimmt. Wer Schilddrüsenhormone einnimmt, hält vier Stunden Abstand zu calcium- und eisenhaltigen Präparaten. Anhaltende Müdigkeit, ungewollte Gewichtsveränderungen, Herzrasen oder eine Schwellung am Hals gehören ärztlich untersucht – die Werte lassen sich einfach im Blut bestimmen.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

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