Die Passionsblume hat einen der ungewöhnlichsten Namen im ganzen Pflanzenreich. Er stammt nicht von Leidenschaft, sondern von der Leidensgeschichte Christi.
Eine Blüte als Lehrbild
Als spanische Missionare im sechzehnten Jahrhundert nach Südamerika kamen, fanden sie eine Kletterpflanze mit einer außergewöhnlich gebauten Blüte.
Sie deuteten ihre Teile als Darstellung der Passion:
- Der Strahlenkranz aus feinen Fäden als Dornenkrone
- Die drei Griffel als die Nägel
- Die fünf Staubblätter als die Wunden
- Die Ranken als Geißeln
Daraus wurde flos passionis – Blume des Leidens. Die Missionare nutzten sie als Anschauungsmaterial bei ihrer Arbeit.
Der botanische Gattungsname Passiflora hält diese Deutung bis heute fest. Die Pflanze selbst wusste davon nichts – sie wuchs dort lange vor der Ankunft der Europäer und wurde von indigenen Völkern bereits verwendet.
Kurz gesagt: Der Name ist eine europäische Deutung einer amerikanischen Pflanze. Er sagt nichts über Inhaltsstoffe oder Verwendung.
Nicht jede Passiflora ist dieselbe
Die Gattung umfasst über fünfhundert Arten. Zwei davon sind für uns relevant – aus völlig verschiedenen Gründen.
| Art | Verwendung |
|---|---|
| Passiflora incarnata | das Kraut – die Art für Präparate |
| Passiflora edulis | die Maracuja – eine Obstpflanze |
Die Maracuja ist also eine Passionsblume – aber nicht die, aus der Extrakte gewonnen werden. Wer den Namen liest, sollte auf den Artzusatz achten.
Verwendet werden bei Passiflora incarnata die oberirdischen Teile: Blätter, Stängel und Ranken. Nicht die Blüte, obwohl sie der Pflanze den Namen gab, und nicht die Frucht.

750 mg Extrakt aus Passiflora incarnata – das Verhältnis steht im Titel, nicht im Kleingedruckten.
Passionsblume Extrakt
Zum Produkt →Was 12:1 tatsächlich bedeutet
Bei Pflanzenextrakten steht oft ein Verhältnis auf der Packung. Es ist die wichtigste Angabe, wenn keine Standardisierung genannt wird – und sie wird häufig falsch verstanden.
Ein Verhältnis von 12:1 bedeutet: Für ein Gramm Extrakt wurden zwölf Gramm getrocknetes Pflanzenmaterial verarbeitet.
Bei 750 mg Extrakt entspricht das also 9 Gramm getrocknetem Kraut – eine Menge, die sich als Tee kaum trinken ließe.
Was das Verhältnis nicht sagt: wie viel von den charakteristischen Inhaltsstoffen enthalten ist. Ein hohes Verhältnis bedeutet eine starke Konzentrierung, aber nicht automatisch einen hohen Leitstoffgehalt.
Bei Pflanzen mit bekannten Leitsubstanzen ist eine Standardisierung deshalb aussagekräftiger. Bei Passionsblume ist das Extraktverhältnis der etablierte Vergleichswert – hier fehlt eine einheitliche Leitsubstanz.
Wo sie heute wächst
Passiflora incarnata stammt aus dem Südosten der heutigen USA. Dort wächst sie wild an Wegrändern und auf Brachflächen.
Sie trägt auch dort einen eigenen Namen: Maypop – angeblich wegen des Geräuschs, das die reifen Früchte machen, wenn man auf sie tritt.
Die indigenen Völker Nordamerikas nutzten die Pflanze lange vor der europäischen Besiedlung. Die Cherokee verwendeten sowohl die Frucht als Nahrung als auch das Kraut.
Angebaut wird sie heute in mehreren Ländern, unter anderem in Indien und Südamerika. Auf dem Etikett sollte die Herkunft stehen.
Was wir nicht schreiben
Für Passionsblume gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben für Nahrungsergänzungsmittel.
Im Netz finden sich Aussagen zu Unruhe, Nervosität und Schlaf. Diese Angaben sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt.
Eine Einordnung, die für Verwirrung sorgt: Es gibt Passionsblumenpräparate als traditionelle pflanzliche Arzneimittel. Diese durchlaufen ein eigenes Verfahren und dürfen Angaben machen, die auf langjähriger Anwendung beruhen.
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist rechtlich etwas anderes. Derselbe Pflanzenextrakt, zwei verschiedene Kategorien – und nur die eine darf werben.
Was sich sagen lässt, ist die Tradition: Die Pflanze wird in Europa seit Jahrhunderten als Teekraut verwendet.
Passend dazu: Melatonin, Baldrian oder Tryptophan? →
Häufige Fragen
Woher kommt der Name Passionsblume?
Spanische Missionare deuteten die Blütenteile als Darstellung der Leidensgeschichte Christi.
Ist die Maracuja dieselbe Pflanze?
Sie gehört zur selben Gattung, ist aber eine andere Art. Für Extrakte wird Passiflora incarnata verwendet.
Welcher Pflanzenteil wird verwendet?
Die oberirdischen Teile – Blätter, Stängel und Ranken. Nicht die Blüte.
Was bedeutet 12:1?
Für ein Gramm Extrakt wurden zwölf Gramm getrocknetes Kraut verarbeitet.
Warum gibt es sie auch in der Apotheke?
Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel durchläuft sie ein eigenes Zulassungsverfahren.
Darf mit Wirkung geworben werden?
Nicht für Nahrungsergänzungsmittel. Dort sind keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen.
Wichtig: Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder und Jugendliche. Bei der Einnahme von Medikamenten – insbesondere Beruhigungsmitteln und Schlafmitteln – vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen. Nach der Einnahme kein Fahrzeug führen. Anhaltende Unruhe oder Schlafstörungen gehören ärztlich untersucht.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.