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Boswellia serrata oder sacra: Welcher Weihrauch wofür

Das Harz, das in Kirchen verbrannt wird, und das Harz in einer Weihrauchkapsel stammen meist von verschiedenen Bäumen. Weihrauch ist keine Art, sondern eine Gattung mit rund zwanzig Arten – und sie unterscheiden sich in genau dem, worauf es jeweils ankommt.

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Eine Gattung, viele Bäume

Die Gattung heißt Boswellia und gehört zur Familie der Balsambaumgewächse – derselben Familie wie die Myrrhe. Ihr Verbreitungsgebiet zieht sich von Westafrika über das Horn von Afrika und die Arabische Halbinsel bis nach Indien.

Was alle Arten verbindet: Sie geben bei Verletzung der Rinde ein Harz ab, das an der Luft zu Körnern erhärtet. Was sie unterscheidet, ist die Zusammensetzung dieses Harzes – vor allem der Anteil an Boswelliasäuren und das Profil der flüchtigen Bestandteile, die den Duft ausmachen.

Diese beiden Eigenschaften laufen nicht parallel. Das Harz, das am besten riecht, ist nicht das mit dem höchsten Leitstoffgehalt.

Kurz gesagt: Duft und Boswelliasäuregehalt sind zwei getrennte Eigenschaften. Deshalb gibt es einen Räucherweihrauch und einen für Kapseln.

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Boswellia sacra – der berühmte

Der Baum aus Oman, dem Jemen und Somalia liefert das Harz, das seit Jahrtausenden in Tempeln und Kirchen verbrannt wird. Sein Artname sagt es bereits: sacra, der heilige.

Die begehrteste Qualität stammt aus der Region Dhofar im Süden Omans – unter dem Namen Hojari gehandelt, in hellen bis grünlichen Körnern. In der Antike war dieses Harz eine der wertvollsten Handelswaren überhaupt.

Über die Weihrauchstraße gelangte es von Südarabien nach Ägypten, Griechenland und Rom – ein Netz von Karawanenwegen, an dem ganze Städte reich wurden. Vor diesem Hintergrund ist auch die Stelle im Matthäusevangelium zu lesen, in der die Weisen Gold, Weihrauch und Myrrhe mitbringen: Es waren drei Waren derselben Preisklasse.

Für Nahrungsergänzung spielt sacra dagegen kaum eine Rolle – der Boswelliasäuregehalt liegt niedriger.

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Boswellia serrata – der indische

Der Indische Weihrauch wächst in den trockenen Bergregionen Indiens und ist der unscheinbarere Verwandte. Sein Harz riecht weniger eindrucksvoll – dafür enthält es deutlich mehr Boswelliasäuren.

In Indien ist es unter dem Namen Salai Guggul seit Jahrhunderten in Gebrauch und gehört zu den festen Bestandteilen der ayurvedischen Hausapotheke. Traditionell wurde es gekaut oder in Ghee eingerührt.

Das mit dem Ghee ist bemerkenswert: Boswelliasäuren sind fettlöslich – die überlieferte Zubereitung passt damit zu dem, was man heute über die Aufnahme weiß, lange bevor jemand die Löslichkeit bestimmen konnte.

Praktisch alle Weihrauchpräparate auf dem europäischen Markt verwenden serrata. Wenn die Art auf der Packung fehlt, ist sie es vermutlich auch – nur bestätigt ist es dann nicht.

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Die weiteren Arten

Neben den beiden bekanntesten werden weitere Arten geerntet und gehandelt:

Boswellia carterii – aus Somalia und Somaliland, botanisch eng mit sacra verwandt und lange als dieselbe Art geführt. Im Handel oft als Somali-Weihrauch.

Boswellia frereana – ebenfalls aus Somalia, als „Maydi" oder Königsweihrauch bekannt. Ihr Harz enthält praktisch keine Boswelliasäuren, wird aber traditionell gekaut.

Boswellia papyrifera – aus Äthiopien, Eritrea und dem Sudan. Der mengenmäßig bedeutendste Handelsweihrauch, vor allem für Räucherzwecke.

Diese Vielfalt ist der eigentliche Grund für die Regel aus dem Kaufberatungs-Artikel: Ohne botanische Artangabe lässt sich nicht einmal abschätzen, wie viel Leitstoff überhaupt zu erwarten wäre.

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Ein Baum, der auf Fels wächst

Weihrauchbäume stehen dort, wo sonst kaum etwas gedeiht: auf trockenen Kalksteinhängen, oft direkt aus Felsspalten heraus.

Einige Arten bilden dafür eine verbreiterte Basis aus – eine Art scheibenförmiger Fuß, mit dem sie sich am nackten Gestein festhalten. Auf Sokotra und in Teilen Omans wachsen Bäume, die aussehen, als wären sie an die Felswand geklebt.

Das Harz erfüllt für den Baum dieselbe Aufgabe wie bei Nadelbäumen: Es verschließt Verletzungen der Rinde und schützt vor Insekten und Pilzen. Was der Mensch erntet, ist eine Wundreaktion.

Zur Ernte wird die Rinde flach angeritzt. Der austretende milchige Saft härtet an der Luft zu Tropfen, die nach zwei bis drei Wochen von Hand abgesammelt werden – im Handel Tränen genannt.

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Warum die Bestände zurückgehen

Ein Baum liefert nur wenige Kilogramm Harz im Jahr und braucht zwischen den Ernten Ruhephasen. Zu häufiges Anritzen schwächt ihn – er bildet weniger Samen, und die vorhandenen keimen schlechter.

Bei steigender Nachfrage wird genau das zum Problem: In mehreren Anbauregionen sind die Bestände rückläufig, teils über Jahrzehnte hinweg. Untersuchungen aus Äthiopien beschreiben Populationen, in denen kaum noch junge Bäume nachwachsen.

Dazu kommen Beweidung, Brandrodung und Insektenbefall an geschwächten Bäumen. Mehrere Boswellia-Arten stehen inzwischen auf der Roten Liste.

Das ist ein Grund, warum die Herkunftsfrage bei Weihrauch über die reine Qualität hinausgeht. Wer die Art nicht deklariert, deklariert auch die Herkunftsregion nicht.

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Was zu Weihrauch nicht gesagt werden darf

So lang die Anwendungsgeschichte auch ist – sie ändert nichts am rechtlichen Rahmen.

Für Weihrauch und Boswelliasäuren ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Weder für serrata noch für eine der anderen Arten.

Die jahrhundertelange Verwendung in der ayurvedischen Tradition ist historisch interessant und darf als solche beschrieben werden. Sie ist aber kein Beleg im Sinne des Lebensmittelrechts und begründet keine Aussage darüber, was der Stoff im Körper tut.

Wo eine Produktseite die Tradition als Argument für eine Wirkung verwendet, verlässt sie den zulässigen Rahmen – auch wenn der Satz vorsichtig formuliert ist.

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Häufige Fragen

Wie viele Weihraucharten gibt es?
Die Gattung Boswellia umfasst rund zwanzig Arten, von denen einige geerntet und gehandelt werden.

Welcher Weihrauch wird geräuchert?
Vor allem Boswellia sacra aus Oman und dem Jemen sowie papyrifera aus Ostafrika – sie sind im Duft führend.

Welcher wird für Kapseln verwendet?
Boswellia serrata, der Indische Weihrauch, wegen des höheren Boswelliasäuregehalts.

Was ist Hojari?
Die hochwertigste Handelsqualität von Boswellia sacra aus der omanischen Region Dhofar.

Was bedeutet Salai Guggul?
Der indische Name für das Harz von Boswellia serrata, seit Jahrhunderten in der ayurvedischen Tradition in Gebrauch.

Warum sind die Bestände gefährdet?
Zu häufiges Anritzen schwächt die Bäume und verschlechtert die Keimfähigkeit der Samen. Mehrere Arten stehen auf der Roten Liste.

Warum riecht der Kapselweihrauch anders?
Duft und Boswelliasäuregehalt hängen nicht zusammen – die Art mit dem besseren Duft ist nicht die mit dem höheren Gehalt.

Warum steht die Art oft nicht auf der Packung?
Weil sie nicht zwingend vorgeschrieben ist. Ohne sie lässt sich der zu erwartende Gehalt aber nicht einordnen.

Wichtig: Räucherharz ist kein Lebensmittel und nicht zum Verzehr bestimmt. Boswelliasäuren können Enzyme beeinflussen, über die der Körper Arzneimittel abbaut – bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme gehört die Anwendung vorher ärztlich abgeklärt. Nicht geeignet für Kinder, Schwangere und Stillende. Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich untersucht.

Für Weihrauch und Boswelliasäuren sind nach EU-Recht keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

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