Die Vorderseite einer Packung ist Werbefläche. Die Rückseite ist gesetzlich geregelt – und dort steht fast alles, was man über ein Produkt wissen muss.
Lebensmittel, kein Arzneimittel
Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel. Sie brauchen keine Zulassung wie ein Medikament, sondern werden vor dem ersten Verkauf beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt.
Verantwortlich für Sicherheit und korrekte Kennzeichnung ist der Hersteller. Kontrolliert wird stichprobenartig durch die Lebensmittelüberwachung der Länder.
Das erklärt, warum die Rückseite so wichtig ist: Sie ist die verbindliche Auskunft über das Produkt.
Die Pflichtangaben
Die Nahrungsergänzungsmittelverordnung und die EU-Lebensmittelinformationsverordnung schreiben vor, was auf jeder Packung stehen muss:
- die Bezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel“
- die Namen der enthaltenen Nährstoffe oder sonstigen Stoffe
- die empfohlene tägliche Verzehrmenge in Portionen
- der Hinweis, dass diese Menge nicht überschritten werden darf
- der Hinweis, dass Nahrungsergänzung kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung ist
- der Hinweis, das Produkt außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren
- Zutatenliste, Nettofüllmenge, Mindesthaltbarkeitsdatum, Losnummer
- Name und Anschrift des verantwortlichen Unternehmens
Fehlt eine dieser Angaben, ist das bereits ein Hinweis auf mangelnde Sorgfalt.
Die Nährwerttabelle
Das Herzstück. Alle Mengen beziehen sich auf die empfohlene Tagesportion – nicht auf eine einzelne Kapsel, wenn die Tagesportion mehrere umfasst.
Für Vitamine und Mineralstoffe steht daneben der Prozentsatz am Nährstoffbezugswert (NRV). Diese Referenzwerte sind EU-weit festgelegt und machen Produkte unterschiedlicher Hersteller direkt vergleichbar.
| Spalte | Was sie aussagt |
|---|---|
| Menge pro Tagesportion | die tatsächlich aufgenommene Menge, in mg oder µg |
| % NRV | Anteil am EU-Referenzwert – schnellster Vergleich |
| „davon“-Zeile | bei Verbindungen oder Extrakten der enthaltene Wirkstoffanteil |
| ohne NRV (*) | für den Stoff existiert kein Referenzwert, etwa bei Pflanzenstoffen |
Ein hoher Prozentsatz ist kein Qualitätsmerkmal an sich. Bei Vitamin D etwa liegt der Bezugswert so niedrig, dass übliche Mengen schnell 500 Prozent erreichen. Aussagekräftig ist der Wert im Vergleich zwischen Produkten derselben Art.
Kurz gesagt: Die Tabelle zeigt, was pro Tag aufgenommen wird. Die Prozentspalte macht Produkte vergleichbar.

Jeder Nährstoff mit Menge und Prozentsatz pro Tagesportion.
Multivitamin
Zum Produkt →Die Zutatenliste
Sie folgt einer festen Regel: Die Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Was vorne steht, macht den größten Teil des Produkts aus.
Daraus lässt sich einiges ablesen:
- Steht der Wirkstoff an erster Stelle, besteht das Produkt überwiegend daraus
- Steht ein Füllstoff vorne, ist die Wirkstoffmenge vergleichsweise klein
- Die Kapselhülle zählt mit – bei kleinen Wirkstoffmengen steht sie oft weit oben
Allergene müssen hervorgehoben sein, meist fett gedruckt. Zusatzstoffe erscheinen mit ihrer Funktion und ihrem Namen oder ihrer E-Nummer, etwa „Trennmittel: Magnesiumsalze der Speisefettsäuren“.
Teil 2: Was Zusatzstoffe in Kapseln tun →
Packungsinhalt in Tagen rechnen
Die Kapselzahl auf der Vorderseite sagt wenig, solange die Tagesportion unbekannt ist. Die Rechnung ist einfach:
Kapseln in der Packung ÷ Kapseln pro Tagesportion = Tage
120 Kapseln bei einer Kapsel täglich reichen vier Monate. 120 Kapseln bei vier Kapseln täglich reichen einen Monat. Erst diese Zahl macht Preise zwischen Produkten vergleichbar.
Häufige Fragen
Sind Nahrungsergänzungsmittel zugelassen?
Nein. Sie werden angezeigt, nicht zugelassen. Die Verantwortung liegt beim Hersteller.
Was bedeutet NRV?
Nährstoffbezugswert – ein EU-weit festgelegter Referenzwert für die tägliche Aufnahme eines Vitamins oder Mineralstoffs.
Warum steht bei manchen Stoffen ein Sternchen?
Für diese Stoffe gibt es keinen Nährstoffbezugswert, etwa bei Pflanzenextrakten, Aminosäuren oder Omega-3-Fettsäuren.
Bezieht sich die Tabelle auf eine Kapsel?
Auf die empfohlene Tagesportion. Die kann eine oder mehrere Kapseln umfassen.
Was sagt die Reihenfolge der Zutaten?
Sie folgt dem Gewichtsanteil. Die erste Zutat macht den größten Teil aus.
Welche Darreichungsform ist die beste?
Das hängt vom Stoff ab. Tablette, Kapsel, Tropfen und Pulver im Vergleich.
Wichtig: Wer mehrere Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig nimmt, sollte die Mengen gleicher Nährstoffe zusammenrechnen. Bei Medikamenteneinnahme, in Schwangerschaft und Stillzeit gehört die Einnahme ärztlich abgeklärt.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.