Liposomal steht inzwischen auf Vitamin C, auf Curcumin, auf Glutathion. Das Wort verkauft – aber die wenigsten wissen, was ein Liposom überhaupt ist.
Ein Bläschen aus Fett
Das Wort setzt sich aus dem Griechischen zusammen: lipos für Fett und soma für Körper. Ein Liposom ist also ein Fettkörperchen.
Gebildet wird es aus Phospholipiden – Molekülen mit einem besonderen Bau: Ein Ende ist wasserliebend, das andere wasserabweisend. In Wasser ordnen sie sich deshalb von selbst so an, dass die wasserscheuen Enden nach innen zeigen.
Das Ergebnis ist eine doppelte Schicht, die sich zu einem geschlossenen Bläschen schließt. Im Inneren bleibt ein Wassertropfen eingeschlossen – und darin kann ein wasserlöslicher Stoff transportiert werden.
Der Vorgang läuft ohne Zutun ab. Phospholipide bilden in Wasser spontan solche Strukturen, weil das energetisch der günstigste Zustand ist.
Kurz gesagt: Ein Liposom ist ein winziges Bläschen mit Fetthülle und Wasserkern. Was darin steckt, ist von der Umgebung abgeschirmt.
Das Vorbild ist die Zellmembran
Die Bauweise ist nicht erfunden, sondern abgeschaut. Jede Zelle des menschlichen Körpers ist von genau so einer Doppelschicht umgeben.
Die Zellmembran besteht aus Phospholipiden in derselben Anordnung – wasserliebende Enden nach außen und innen, wasserscheue in der Mitte. Ein Liposom ist im Grunde eine Zellmembran ohne Zelle.
Entdeckt wurde das Prinzip 1961 vom britischen Hämatologen Alec Bangham. Er untersuchte mit dem Elektronenmikroskop, wie sich Phospholipide in Wasser verhalten, und beobachtete, dass sie sich zu geschlossenen Bläschen formten.
Bangham nutzte sie zunächst als Modell, um Zellmembranen zu studieren. Die Idee, damit Wirkstoffe zu transportieren, kam erst später.
Woher die Phospholipide kommen
Für die Herstellung wird meist Lecithin verwendet – ein Gemisch aus Phospholipiden, das aus Sojabohnen oder Sonnenblumenkernen gewonnen wird.
Der Name geht auf das griechische lekithos zurück, Eidotter. Dort wurde es 1845 zuerst isoliert, vom französischen Chemiker Theodore Gobley.
Lecithin ist alltäglicher, als es klingt: Es steckt in Schokolade, Margarine und Backwaren, wo es als Emulgator Fett und Wasser verbindet. Dieselbe Eigenschaft macht es für Liposomen brauchbar.
Für die Produktwahl relevant: Sonnenblumenlecithin ist allergenfrei, Sojalecithin muss als Allergen gekennzeichnet werden.

Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Phospholipide und Fettsäuren stehen mit ihrer Menge in der Tabelle, nicht nur das Wort liposomal.
Liposomales Vitamin C
Zum Produkt →Woher das Verfahren stammt
Liposomen sind keine Erfindung der Nahrungsergänzungsbranche. Sie kommen aus der Arzneimittelforschung.
Dort werden sie seit den 1990er Jahren eingesetzt, um Wirkstoffe gezielt zu transportieren – etwa in der Krebstherapie, wo eine Substanz an bestimmten Stellen ankommen soll und nicht überall.
Auch in der Kosmetik sind sie verbreitet. Und einem breiteren Publikum wurden sie 2020 bekannt, als die mRNA-Impfstoffe auf Lipid-Nanopartikeln beruhten – eine verwandte, technisch weiterentwickelte Bauweise.
Die Übertragung auf Nahrungsergänzungsmittel ist vergleichsweise jung. Und sie ist technisch anspruchsvoller, als das Wort auf der Packung vermuten lässt.
Warum es meist Vitamin C ist
Nicht jeder Stoff eignet sich für eine liposomale Formulierung. Der Wasserkern kann nur wasserlösliche Substanzen aufnehmen.
Vitamin C ist der Klassiker, weil es zwei Eigenschaften mitbringt: Es ist wasserlöslich, und es wird in hohen Mengen eingenommen. Genau dort liegt der Ansatzpunkt.
Der Hintergrund: Bei wasserlöslichen Vitaminen steigt der aufgenommene Anteil nicht proportional zur Menge. Ab einer gewissen Schwelle sind die Transportwege im Darm ausgelastet, der Rest wird ausgeschieden.
Andere Stoffe, die liposomal angeboten werden: Glutathion, Curcumin, B-Vitamine, Magnesium. Bei fettlöslichen Substanzen wie Vitamin D ergibt die Bauweise weniger Sinn – sie brauchen ohnehin Fett und werden anders aufgenommen.
Teil 2: Was die Formulierung tatsächlich bringt →
Häufige Fragen
Was ist ein Liposom?
Ein winziges Bläschen aus einer Phospholipid-Doppelschicht mit einem Wasserkern im Inneren.
Woher kommt der Name?
Aus dem Griechischen: lipos für Fett, soma für Körper.
Was hat das mit Zellen zu tun?
Die Bauweise entspricht der menschlichen Zellmembran. Liposomen sind ihr nachgebildet.
Woraus werden sie gemacht?
Aus Lecithin, meist aus Sonnenblumenkernen oder Sojabohnen.
Warum fast immer Vitamin C?
Weil es wasserlöslich ist und in hohen Mengen eingenommen wird – dort liegt der Ansatzpunkt.
Ist das eine neue Technik?
Nein. Liposomen wurden 1961 entdeckt und werden seit den 1990er Jahren in der Arzneimittelforschung eingesetzt.
Wichtig: Sehr hohe Vitamin-C-Mengen können bei empfindlichen Personen zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei Neigung zu Nierensteinen vor Gebrauch ärztlichen Rat einholen. Bei Sojalecithin ist die Allergenkennzeichnung zu beachten.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.