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Darmbakterien: Was im Darm tatsächlich lebt

Im menschlichen Darm leben etwa so viele Bakterien, wie der Körper eigene Zellen hat – rund dreißig Billionen. Zusammen wiegen sie ein bis zwei Kilogramm.

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Die Zahl, die lange falsch war

Jahrzehntelang hieß es, im Körper lebten zehnmal so viele Bakterien wie eigene Zellen. Diese Angabe stammte aus einer Abschätzung von 1972 – und war eine Überschlagsrechnung, keine Messung.

2016 rechneten Forscher genauer nach. Das Verhältnis liegt bei etwa eins zu eins. Die alte Zahl hält sich trotzdem hartnäckig.

Beeindruckend bleibt es dennoch: Ein Milliliter Darminhalt enthält mehr Bakterien, als Menschen auf der Erde leben.

Den größten Teil beherbergt der Dickdarm. Im Magen und oberen Dünndarm ist es deutlich leerer – die Magensäure lässt dort wenig überleben.

Kurz gesagt: Das Mikrobiom ist kein Beiwerk, sondern ein eigenes Ökosystem – mit mehr Genen als das menschliche Erbgut selbst.

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Jeder Mensch trägt eine andere Mischung

Anders als beim Erbgut, das zwischen zwei Menschen fast identisch ist, unterscheidet sich das Mikrobiom erheblich. Zwei Menschen teilen oft nur einen kleinen Teil ihrer Bakterienarten.

Geprägt wird die Zusammensetzung früh:

  • Bei der Geburt. Kinder, die auf natürlichem Weg zur Welt kommen, starten mit einer anderen Besiedlung als Kaiserschnittkinder.
  • In den ersten Lebensjahren. Muttermilch enthält Zucker, die das Kind selbst nicht verdauen kann – sie sind Nahrung für bestimmte Bifidobakterien.
  • Durch die Ernährung. Sie ist der stärkste Einfluss, der sich auch später noch ändern lässt.

Der zweite Punkt ist bemerkenswert. Ein Teil der Muttermilch ist nicht für das Kind bestimmt, sondern für seine Darmbakterien. Die Evolution hat das mitgedacht.

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Was die Bakterien für uns tun

Sie leben nicht nur im Darm – sie arbeiten dort.

Sie verwerten, was wir nicht verdauen können. Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn passieren Magen und Dünndarm unverändert. Erst im Dickdarm werden sie von Bakterien zerlegt.

Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren – unter anderem Buttersäure, die den Zellen der Darmschleimhaut als Energiequelle dient. Der Darm ernährt sich also teilweise von dem, was seine Bewohner produzieren.

Sie stellen Vitamine her. Bestimmte Darmbakterien bilden Vitamin K und mehrere B-Vitamine. Der Beitrag zur Gesamtversorgung ist begrenzt, aber vorhanden.

Sie besetzen den Platz. Wo eine stabile Besiedlung existiert, haben andere Keime es schwerer. Das ist einer der Gründe, warum eine Antibiotikabehandlung den Darm empfindlich macht.

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Probiotika, Präbiotika, Synbiotika

Drei Begriffe, die ständig durcheinandergehen:

Begriff Was er meint
Probiotika die lebenden Bakterien selbst
Präbiotika das Futter für sie – Ballaststoffe wie Inulin
Synbiotika beides zusammen in einem Produkt

Inulin ist das bekannteste Präbiotikum. Es steckt natürlicherweise in Chicorée, Topinambur, Schwarzwurzel und Zwiebeln – und wird für Nahrungsergänzung meist aus Chicoréewurzeln gewonnen.

Wichtig für die Praxis: Wer Inulin nicht gewohnt ist, sollte langsam beginnen. Die Bakterien produzieren beim Abbau Gase – eine plötzlich hohe Menge führt zu Blähungen, bis sich der Darm daran gewöhnt hat.

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Was auf dem Teller mehr ausmacht

Vor jeder Kapsel steht die Ernährung – und hier zählt ein Punkt mehr als alle anderen: Vielfalt.

Ein Darm, der ständig dasselbe bekommt, beherbergt weniger Arten. Wer über die Woche verteilt viele verschiedene pflanzliche Lebensmittel isst, fördert eine breitere Besiedlung.

Was die Bakterien mögen:

  • Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn
  • Fermentiertes – Sauerkraut, Kefir, Joghurt, Miso, Kimchi
  • Abgekühlte Kartoffeln und Reis, in denen resistente Stärke entstanden ist
  • Polyphenole aus Beeren, Kakao, Olivenöl und grünem Tee

Der dritte Punkt ist ein Küchentrick: Beim Abkühlen gekochter Kartoffeln entsteht Stärke, die der Dünndarm nicht mehr aufschließt. Sie wandert weiter und wird zu Bakterienfutter – auch wenn man sie später wieder erwärmt.

Teil 2: Einnahme, Zeitpunkt, Antibiotika →

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Häufige Fragen

Wie viele Bakterien leben im Darm?
Etwa dreißig Billionen – ungefähr so viele, wie der Körper eigene Zellen hat.

Stimmt es, dass es zehnmal so viele sind?
Nein. Diese Zahl stammt aus einer Überschlagsrechnung von 1972 und wurde 2016 korrigiert.

Was ist der Unterschied zwischen Pro- und Präbiotika?
Probiotika sind die Bakterien, Präbiotika ihr Futter.

Was ist Inulin?
Ein Ballaststoff aus Chicorée, Topinambur und Zwiebeln, der als Bakterienfutter dient.

Warum bekomme ich von Inulin Blähungen?
Weil beim bakteriellen Abbau Gase entstehen. Langsam beginnen hilft.

Was fördert die Vielfalt am meisten?
Viele verschiedene pflanzliche Lebensmittel über die Woche verteilt.

Wichtig: Bei geschwächtem Immunsystem, nach Organtransplantation, bei schweren Grunderkrankungen und bei Patienten mit zentralen Venenkathetern gehört die Einnahme lebender Kulturen vorher ärztlich abgeklärt. Anhaltende Verdauungsbeschwerden, Blut im Stuhl oder ungewollter Gewichtsverlust gehören ärztlich untersucht.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

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