Es gibt Pilze, die an Bäumen wachsen, und Pilze, die im Waldboden stehen. Cordyceps sinensis wächst in einer Raupe. Seine Geschichte führt ins Hochland von Tibet, in die chinesische Kräuterlehre und zu einem Sportereignis, das ihn im Westen bekannt machte.
Kurz gesagt: Der wilde Raupenpilz wächst in 3.000 bis 5.000 Metern Höhe in Tibet, Nepal und Bhutan. Er wird im Frühsommer von Hand gesammelt und ist für viele Familien die wichtigste Einnahmequelle. Weil er so selten und teuer ist, stammt Cordyceps in Nahrungsergänzung aus Kultur.
Halb Tier, halb Pflanze
Der Pilz befallt im Boden überwinternde Larven bestimmter Nachtfalter. Er durchwächst die Larve vollständig und treibt im Frühjahr einen dünnen, keulenförmigen Fruchtkörper aus ihrem Kopf an die Oberfläche.
Die Namen beschreiben genau das. Auf Tibetisch heißt er Yartsa Gunbu, auf Chinesisch Dong Chong Xia Cao – beides bedeutet sinngemäß „im Winter ein Wurm, im Sommer ein Gras“. Im Deutschen heißt er Chinesischer Raupenpilz.
Die Ernte im Hochland
Der Raupenpilz wächst auf Bergwiesen in 3.000 bis 5.000 Metern Höhe auf dem Hochland von Tibet und im Himalaya. Gesammelt wird im Mai und Juni, wenn die Fruchtkörper nur wenige Zentimeter aus dem Boden ragen.
Die Sammler kriechen auf Knien über die Wiesen und suchen nach den unscheinbaren braunen Stängeln. Für viele Familien in der Region ist die Ernte die wichtigste Einnahmequelle des Jahres. In manchen Dörfern ruht in dieser Zeit fast alles andere.
Teurer als Gold
Gute Qualitäten des wilden Pilzes erreichen auf chinesischen Märkten Preise, die pro Gramm über dem Goldpreis liegen. Die hohe Nachfrage hat Folgen: Die Bestände sind durch Übersammlung und Klimaveränderung zurückgegangen, die Weltnaturschutzunion führt die Art inzwischen als gefährdet.
Deshalb spielt wilder Cordyceps für Nahrungsergänzung keine Rolle. Der Rohstoff stammt aus Kultur – ohne Insekten und ohne Druck auf die Wildbestände.
Vom Kaiserhof in die Kräuterlehre
Schriftlich erwähnt wird der Raupenpilz in tibetischen Texten seit dem 15. Jahrhundert, in der chinesischen Kräuterlehre seit dem 18. Jahrhundert. Er galt lange als Kostbarkeit, die vor allem wohlhabenden Familien und dem Kaiserhof vorbehalten war.
In der traditionellen Zuordnung der Vitalpilze steht Cordyceps für den Tag, Reishi für den Abend. Diese Zuordnung prägt bis heute, wie die Pilze eingenommen werden.
1993: Wie Cordyceps im Westen bekannt wurde
Bei den chinesischen Nationalspielen 1993 stellten mehrere Läuferinnen innerhalb weniger Tage Weltrekorde über Langstrecken auf. Ihr Trainer nannte unter anderem Cordyceps als Teil der Vorbereitung – und machte den Pilz damit weltweit bekannt.
Später wurden gegen das Team Dopingvorwürfe laut. Die Episode ist deshalb Zeitgeschichte, kein Beleg für irgendeine Wirkung. Für Cordyceps ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.

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Häufige Fragen
Warum heißt Cordyceps Raupenpilz?
Weil er in der Natur in den Larven von Nachtfaltern wächst.
Wo wächst Cordyceps?
Wild in 3.000 bis 5.000 Metern Höhe in Tibet, Nepal und Bhutan.
Warum ist wilder Cordyceps so teuer?
Er ist selten, schwer zu finden und stark nachgefragt.
Ist Cordyceps in Kapseln aus Raupen?
Nein. Für Nahrungsergänzung wird er ohne Insekten kultiviert.
Was bedeutet Yartsa Gunbu?
Sinngemäß „im Winter ein Wurm, im Sommer ein Gras“.
Ist die Art geschützt?
Die Weltnaturschutzunion führt sie als gefährdet.
Wichtig: Für Cordyceps sind in der EU keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Dieser Beitrag beschreibt Herkunft und Geschichte, nicht die Wirkung.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.